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27.04.1967 / Meldungs-Nr.: AHI0087 / Ressort: Chronik&Kultur (CI) Seite $page.NUMBER / $page.COUNT      

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b 1 - "castro-doktrin" predigt gewalt in lateinamerika havanna, 27.4. (reuter) - nach dem vorbild der berühmten »monroe-doktrin" hat der kubanische diktator fidel castro eine =

 
b 1 - "castro-doktrin" predigt gewalt in lateinamerika
havanna, 27.4. (reuter) - nach dem vorbild der berühmten
»monroe-doktrin" hat der kubanische diktator fidel castro eine
ideologische doktrin zusammengebaut, die den weg zu einem
revolutionären umsturz in ganz lateinamerika ebnen soll. hat
sich vor mehr als einem jahrhundert us-präsident james
monroe jede europäische einmischung in amerikanische angelegenheiten
verbeten, so ist die "castro-doktrin" an die adresse
des weltkommunismus gerichtet, dem nahegelegt wird, die hände
von den ideologischen auseinandersetzungen in lateinamerika
zu lassen.
die "castro-doktrin" hat die repräsentanten europäischer
kommunistischer länder in havanna vor den kopf gestossen,
die kluft zwischen den linksextremen bewegungen in lateinamerika
vertieft und das allgemeine interesse für den im juli in der
kubanischen hauptstadt stattfindenden ersten "lateinamerikanischen
solidaritätskongress" vergrössert.
dieser kongress scheint nun zu einem polemischen forum über
castros theorie vom gewaltsamen umsturz zu werden, die von vielen
kommunistischen parteien lateinamerikas abgelehnt wird. kuba
soll nach dem willen castros zum modell für den ganzen südlichen
teil des amerikanischen kontinents werden. nur kuba und kein
europäisches oder asiatisches land könne die interessen der
lateinamerikanischen kommunisten vertreten, denen die revolutionären
erfahrungen der sowjetunion, rotchinas oder selbst nordvietnams
nur wenig nützen könnten.
im mittelpunkt der "castro-doktrin" steht der bewaffnete
aufstand, wie er von den kubanischen guerillas im kampf gegen
den diktator batista vorexerziert wurde. seine theorie verteidigend
hat castro bereits die sowjetische politik in lateinamerika
heftig kritisiert, ebenso die führer der pro-sowjetischen
kp venezuelas, die eine gewaltsame machtübernahme
ablehnt, und der guatemaltekischen linken, deren aktivität sich
auf vorstadtagitation konzentriert, anstatt, wie es castro wünscht,
von den bergen aus einen guerilla-krieg zu beginnen.
die venezolanischen kommunisten haben die angriffe sofort
pariert und ihrerseits castro vorgeworfen, er spiele sich als
"marxistischer papst" auf und mische sich in innere angelegenheiten
anderer parteien.
ihre erste bewährungsprobe wird die "castro-doktrin"
im juli auf der ersten "lateinamerikanischen solidaritätskonferenz"
zu bestehen haben. veranstaltet von der "lateinamerikanischen
solidaritäts-organisation" ("olas"), einem "kind" der vorjährigen
konferenz kommunistischer parteien afrikas, asiens und
lateinamerikas, werden vertreter von 27 ländern zu dem treffen in
havanna erwartet. politische beobachter rechnen jedoch damit,
dass viele prominente kommunisten, die auch zu den gründern der
"olas" gehören, aber die gewalt-doktrin castros ablehnen, dem
treffen fernbleiben werden. (schluss)+kg

 
zum Dossier Kubakrise

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