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04.06.1961 / Meldungs-Nr.: AHI0122 / Ressort: Sonderdienste (SD) Seite $page.NUMBER / $page.COUNT      

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kc 90 dpa-kommentar wien ,4.6. (dpa)- die zweitägige begegnung zwischen den =

 
kc 90
dpa-kommentar
wien ,4.6. (dpa)- die zweitägige begegnung zwischen den
regierungschefs der beiden weltmächte in wien ist ohne bruch,
aber auch ohne unmittelbare aussicht auf eine entspannung zu
ende gegangen, schreiben die dpa-korrespondenten dr. bern
nielsen-stokkeby und henry schavoir.
usa-präsident john f. kennedy und sowjet-ministerpräsident
nikita chruschtschow haben darauf verzichtet, die
kritische berlin-frage "hochzuspielen".
aus zuverlässiger quelle verlautete, dass kennedy und
chruschtschow weder eine neue viermächtekonferenz über
deutschland, noch eine neue begegnung zwischen ihnen oder ein
treffen ihrer aussenminister vereinbart haben.
die künftigen kontakte, von denen im kommunique die rede
ist, werden nach angaben aus diesen kreisen auf normalen
diplomatischen wege fortgesetzt.
nikita chruschtschow hat auch keine offizielle einladung
an kennedy ausgesprochen.
lediglich in einem trinkspruch, so wurde nach der konferenz
mitgeteilt, habe er erwähnt, kennedy sei in der sowjetunion
immer ein willkommener gast.
aber dies betrachtet der amerikanische präsident nicht
als einladung zu einem besuch nach moskau zu kommen.
die im kommunique enthaltene gemeinsame erklärung über
laos wird in diesen kreisen als "möglicher ansatzpunkt"
für eine positive entwicklung in dieser frage angesehen.
die bedeutung dieses ansatzpunktes dürfe aber nicht
überschätzt werden.
in der frage der abrüstung hat chruschtschow zu verstehen
gegeben, dass er die derzeitigen verhandlungen in genf über
eine einstellung der kernwaffen-versuche in eine künftige
allgemeine abrüstungskonferenz einbeziehen möchte.
präsident kennedy ist aber offensichtlich auf diese
anregung nicht eingegangen, sondern hat sich eine stellungnahme
vorbehalten.
in der berlinfrage habe der sowjetische premier seinen
bekannten standpunkt 'freie stadt' vertreten.
er habe aber kein ultimatum ausgesprochen und auch nicht
besonders auf eine lösung gedrängt.
eine annäherung der standpunkte ist in der berlin-frage
nicht zu verzeichnen.
diese situation war symptomatisch für die begegnung
überhaupt.
wie in unterrichteten kreisen versichert wurde, blieben
die gespräche sehr sachlich, es gab keine zwischenfälle und
auch keine beschimpfung oder ägerliche ausbrüche. die
charakterisierung lautete: nicht unfreundlich, aber auch
nicht besonders freundlich.
vermutungen, dass kennedy eine baldige anerkennung der
volksrepublik china in aussicht gestellt habe, erwiesen sich
als unbegründet.
china ist nicht als besonderes thema behandelt worden.
das gleiche gilt auch für die kubafrage.
am samstag versuchte präsident kennedy den kremlchef
von seiner forderung nach einem dreiergremium als führungsspitze
internationaler kontrollorgane abzubringen, weil das
darin enthaltene vetorecht nach amerikanischer ansicht eine
wirksame kontrolle unmöglich macht. dies ist aber dem amerikanischen
präsidenten offensichtlich nicht gelungen.
chruschtschow legt nach wie vor wert auf ein dreiergremium.
bestehend aus einem vertreter des ostblocks, des westens und
der neutralen welt.
ausserdem bleibt chruschtschow dabei, dass jede im dreiergremium
vertretene macht ein vetorecht haben soll.
beobachter der konferenz sehen mithin den einzigen erfolg
des wiener treffens in der tatsache, dass die persönlichkeit
kennedys einen starken eindruck auf chruschtschow gemacht
hat.
auch von sowjetischer seite wurde zugegeben, dass kennedy
"ein starker und intelligenter staatsmann" sei und dass der
gedankenaustausch mit ihm für chruschtschow nützlich war.
alle bisherigen sowjetischen äusserungen in wien deuten
daraufhin, dass man auf sowjetischer seite zunächst noch nicht
gewillt ist, den sachlichen misserfolg der konferenz
einzugestehen.
auch waren von sowjetischer seite noch keine hinweise
dafür zu erhalten, warum chruschtschow die berlinfrage nicht
aufgegriffen hat.
über diese entwicklung zeigten sich auch östliche kreise
am rande des wiener treffens höchst erstaunt.(schluss)+2259+sb+

 

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