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04.06.1961 / Meldungs-Nr.: AHI0120 / Ressort: Sonderdienste (SD) Seite $page.NUMBER / $page.COUNT      

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kc 88 ap-kommentar wien, 4.6.(ap) - präsident kennedy hat, dem vernehmen =

 
kc 88
ap-kommentar
wien, 4.6.(ap) - präsident kennedy hat, dem vernehmen
nach, dem sowjetischen ministerpräsident chruschtschow mitgeteilt,
dass die vereinigten staaten und ihre verbündeten fest
entschlossen seien, westberlin gegen jeden sowjetischen druck
und alle drohungen zu verteidigen, schreibt der korrespondent
der agentur associated press john hoghtower. kennedy machte
chruschtschow auch darauf aufmerksam. dass eine fehleinschätzung
der haltung der alliierten im hinblick auf berlin zu einem konflikt
führen könnte. chruschtschow habe der ansicht beigepflichtet,
dass jede fehleinschätzung gefährlich sein könnte,
soll aber fest erklärt haben, dass die gefahr derartige
beurteilungsfehler zu begehen, für beide seiten bestehe.
das offizielle kommunique über die wiener gipfelbesprechungen
besagt nur, dass die probleme deutschlands unter den fragen waren,
die von kennedy und chruschtschow erörtert wurden. zusätzliche
detailierte informationen über den verlauf des meinungsaustausches
der beiden staatsmänner lagen erst später von im vollsten
masse qualifizierten diplomatischen quellen vor.
diesen informationen zufolge waren die ergebnisse der konferenz:
berlin: beide staatmänner legten ihren standpunkt
hinsichtlich der umstrittenen stadt fest. chruschtschow gab zu
verstehen, dass seiner ansicht nach die lage eine änderung
erfahren müsse. er hat zu wiederholten malen öffentlich erklärt,
dass er den abzug der amerikaner, engländer und
franzosen aus der stadt wünsche und dass er einen separaten
friedensvertrag mit dem kommunistischen ostdeutschland abschliessen
werde. kennedy brachte von der zusammenkunft den eindruck
mit, dass chruschtschow seinen standpunkt zum westberliner-problem
nicht mit aller dringlichkelt durchdrücken wolle.
der sowjetische führer stellte weder ein ultimatum oder eine
zeitliche begrenzung für die berlin-regelung. kennedy
verwies auf die entschlossenheit der alliierten die stadt gegen
jede aggression oder druck zu verteidigen und warnte vor einer
falschen einschätzung.
weder kennedy noch chruschtschow versuchten über das berlin-problem
zu =verhandeln=. ein jeder legte seinen standpunkt
dar, ohne zu versuchen, die gegenseite zur zustimmung zu
veranlassen oder konzessionen zu machen.
abrüstung: chruschtschow schlug vor, es
wäre gut, die genfer atomversuchsverbotsgespräche mit den
allgemeinen abrüstungsverhandlungen, die ende juli beginnen
sollen, zu verknüpfen. kennedy sagte, er könne dem
nicht beipflichten, wolle aber die angelegenheit überdenken.
gleichzeitig drängte er darauf, die genfer besprechungen wieder
in gang zu bringen, die bekanntlich vor zweieinhalb jahren begonnen
haben.
chruschtschow blieb bei dem russischen standpunkt, dass
jedes kontrollsystem zur überwachung eines kernwaffenversuchesverbotes
an der spitze eine aus drei mann bestehenden körperschaft
haben müsse. dabei wurde sowohl von sowjetischer als
auch der westliche, als auch der neutrale vertreter ein vetorecht
haben. kennedy erklärte nachdrücklich, dass ein solches
veto hinsichtlich der inspektion von den vereinigten staaten
niemals angenommen werden könne. chruschtschow legte dar,
dass die troika-administration von russland sowohl für das
kenwaffenversuchssystem als auch für die organisation der vereinten
nationen vorgeschlagen werde, wegen der uno-operationen
im kongo im vergangenen jahr. die sowjetunion hatte nach dem
sturz lumumbas im kongo ausgespielt.
chruschtschow sagte dann, die sowjetregierung sei jetzt
nicht der ansicht, dass es niemanden gäbe, den man als =neutralen
mann= bezeichnen könne.
laos: zur krise in dem kleinen südost-asiatischen
königreich gelangte man zu keiner einigung, doch erklärte sich
chruschtschow heute bereit, in dem kommunique zu bestätigen,
dass kennedy und er =ein neutrales laos und eine wirksame
waffenruhe= wünsche.
seine persönliche zustimmung in diesem punkt bedeutet jetzt
unter umständen, dass die sowjetunion für eine völlige feuereinstellung
durch die kommunisten und die pro-kommunistischen
rebellen in laos sorgen wird. dadurch könnte der tote punkt
bei der gegenwärtigen genfer laos-konferenz überwunden werden,
deren ziel es ist, die neutralität von laos zu gewährleisten.
allgemeine weltlage: die beiden staatsmänner
erörterten eine ganze reihe internationaler probleme.
das kommunistische china wurde ein bis zweimal erwähnt, jedoch
nur ganz beiläufig. gut informierte diplomatische kreise vertreten
die ansicht, dass das bessere verständnis der beiderseitigen
standpunkte, das bei der zusammenkunft zwischen chruschtschow
und kennedy erzielt wurde, eine ausgleichende wirkung
auf die beziehungen zwischen ost und west haben könnte. dies
wiederum könnte zu einer vrringerung der spannungen führen,
selbst wenn im zuge der wiener gespräche spezifische probleme
nicht gelöst wurden.
persönliche beziehungen: kennedy
und chruschtschow führten ihre besprechungen in einer atmosphäre
der höflichkeit. sie schätzten einander ab und wenn sie nunmehr
miteinander botschaften austauschen wird jeder von ihnen ein
besseres bild von den umständen haben, unter denen die worte
des anderen zu beurteilen sind. möglicherweise bestand der hauptzweck
von chruschtschows besuch in wien darin, sich ein persönliches
bild von kennedy zu machen.(schluss)2240/mz+

 

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