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24.05.1961 / Meldungs-Nr.: AHI0095 / Ressort: Sonderdienste (SD) Seite $page.NUMBER / $page.COUNT      

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kc 6 washington, 24.5.-(afp) die nächsten tage bis zum abflug präsident kennedys aus den usa sind mit besprechungen und =

 
kc 6
washington, 24.5.-(afp) die nächsten tage bis zum
abflug präsident kennedys aus den usa sind mit besprechungen und
arbeitssitzungen mit seinen engsten beratern bis zur letzten
möglichkeit ausgeschöpft. in grossen zügen sieht kennedys
arbeitskalender ungefähr folgendermassen aus:
24.: heute wird kennedy vizepräsident lyndon johnson empfangen,
(johnson wird anschliessend im aussenministerium eine pressekonferenz
veranstalten).
27.: samstag abend wird kennedy washington verlassen und sich
für kurze zeit auf seinen sommersitz in hyannis port (massachusetts)
zurückziehen.
29.: für montag ist eine kurze ansprache in boston und am
30.: (abends) in new york vorgesehen. das wiener treffen mit
chruschtschow wird kennedy dabei nur kurz streifen. am 30.
wird er ausserdem mit dem israelischen ministerpräsidenten ben
gurion zusammentreffen und möglicherweise auch noch den vorsitzenden
des südkoreanischen militärkabinetts tschang do
young empfangen. anschliessend wird er mit seiner gatting am
31. mai um 02,30 uhr mez nach paris abfliegen.
da kennedy in seinen besprechungen mit de gaulle und
chruschtschow sämtliche schwebenden weltprobleme erörtern
wird, ist die zeit vor seiner abreise mit besprechungen mit
seinen engsten beratern ausgefüllt. unter anderem empfing er
in den letzten 48 stunden seinen sonderberater für nato-fragen
dean acheson, den us-vertreter bei den genfer kernwaffenverhandlungen
arthur dean sowie seine abrüstungsexperten und die berater
für deutschland, berlin und fernost bzw. das kommunistische
china.
im allgemeinen begrüssen diplomatische kreise in washington
dass angesichts der bevorstehenden begegnung mit chruschtschow
keine stimmung des euphoristischen "himmelhoch-jauchzens" ausgebrochen
ist, wie dies ursprünglich befürchtet worden war.
in washington herrscht allgemein der eindruck vor, dass
kennedy bereit ist, der sowjetunion eine gewisse "frist"
zu gewähren, da eine der wichtigsten fragen auf dem wiener programm
voraussichtlich die einstellung der kernwaffenversuche
sowie das abrüstungsproblem sein wird, glaubt man, dass kennedy
chruschtschow dazu zu überreden versuchen wird, auf seine
forderungen nach einem veto bei der überwachung der abkommen
zu verzichten. man nimmt an, dass kennedy auf chruschtschow
in dieser hinsicht einen gewissen druck ausüben und mit der
wiederaufnahme der kernwaffenversuche drohen wird, wenn die
sowjetunion weiterhin auf dem veto-recht in der kontrollkommission
bestehen sollte.
das ergebnis der wiener begegnung sieht man in washington
im allgemeinen bereits wie folgt voraus: kennedy und chruschtschow
werden "übereinstimmung darüber erzielen, dass sie das recht
haben, in ihren ansichten über internationale probleme wie
deutschland, berlin, atompolitik, kommunistisches china usw. -
nicht übereinzustimmen."(schluss)+

 

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