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26.09.1972 / Meldungs-Nr.: AHI0070 / Ressort: Aussenpolitik (AA) Seite $page.NUMBER / $page.COUNT      

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a 154 - ewg-referendum in norwegen - tagesmeldung 2 (ap/26.9.) utl.: plötzliche umkehr des trends - schwerste regierungskrise der nachkriegsgeschichte ? =

 
a 154 - ewg-referendum in norwegen - tagesmeldung 2 (ap/26.9.)
utl.: plötzliche umkehr des trends - schwerste regierungskrise
der nachkriegsgeschichte ?
nach schliessung der abstimmungslokale und der auszählung
der ersten stimmen schien sich zunächst ein erfolg für die befürworter
des beitritts anzubahnen. einige tageszeitungen mit frühen
andruckzeiten erschienen heute früh sogar mit überschriften
wie "norwegen sagt ja". erst als die resultate aus den entlegenen
provinzgegenden in oslo einliefen, kehrte sich der trend um.
in einem fernsehinterview liess der 62jährige norwegische
regierungschef bratteli keinen zweifel daran, dass er nach der
ablehnung durch das volk nun auch ein entsprechendes abstimmungsergebnis
im strting erwartet, in dem die sozialdemokratische
regierungspartei nur über 74 von 150 sitzen verfügt.
die "volksbewegung gegen die ewg-mitgliedschaft" forderte
die parlamentarier auf, "diesen ausdruck des volkswillens durch
ihr votum zu bestätigen und eine regelung der beziehungen unseres
landes mit europa zu suchen, die den wünschen der bevölkerung
entspricht. die europäischen nationen bitten wir, das ergebnis
des referendums als ausdruck des strebens zu sehen, norwegens
internationale beziehungen auf der grundlage der beibehaltung seiner
vollen souveränität aufzubauen." das ergebnis sei nicht
zeichen eines isolationswillens.
im falle der zu erwartenden ablehnung des beitritts auch
durch das norwegische parlament werden vermutlich sehr
bald verhandlungen mit der europäischen gemeinschaft über ein
freihandelszonenabkommen beginnen. völlig offen war heute
aber, wer für norwegen solche verhandlungen führen könnte,
da nunmehr ein längerer zeitraum ohne handlungsfähige regierung
zu erwarten ist.
9 ein wiederaufleben der früheren vier-parteien-koalition
aus konservativen (derzeit 29 sitze im storting), liberalen
(13), christlicher volkspartei (14) und bauerlicher zentrumspartei
(20) ist nicht zu erwarten. die konservativen hatten ihre wähler
aufgefordert, für den beitritt zu stimmen und der vorsitzende
der konservativen partei, kaare willoch, erklärte noch in den
nachtstunden , seine partei werde sich an keiner koalitionsregierung
beteiligen, in der auch beitrittsgegner sässen.
in oslo hielt man es heute für wahrscheinlich, dass könig
olav nach dem für die nächsten tage zu erwartenden rücktritt
des kabinetts bratelli den stortingpräsidenten bernt ingvaldsen ersuchen
wird, gespräche mit den parteiführern im parlament über
eine beilegung der regierungskrise zu führen, die schon jetzt
als die schwerste in der nachkriegsgeschichte norwegens bezeichnet
wird.(schluss)+se+

 

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