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18.11.1964 / Meldungs-Nr.: AHI0231 / Ressort: Wirtschaft (WI) Seite $page.NUMBER / $page.COUNT      

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w 97 im Zusammenhang mit unserer meldung w 42 (kopenhagen - ap - häkkerup) =

 
w 97
im Zusammenhang mit unserer meldung w 42
(kopenhagen - ap - häkkerup)
genf, 18.1l.(ap) - das schicksal der efta steht auf dem
spiel, wenn die efta-minister morgen und übermorgen
in genf zu einer tagung zusammentreten, um sich mit der
schwersten krise der efta seit ihrer gründung vor nahezu
5 jahren zu befassen. diese krise resultiert aus der unerwarteten
einführung eines 15prozentigen zuschlages auf die
britischen einfuhrzölle für alle industriewaren. diese
massnahme ist von fast allen grösseren haendelsländern der
freien welt heftig kritisiert worden, am stärksten aber
von den übrigen efta-partnern grossbritanniens. diese
werden zwar von den massnahmen der labour-regierung insofern
weniger stark betrokfen als andere handelsnationen der welt,
wie z.b. die usa, japan und die ewg, als ihre lieferungen
nach grossbritannien überwiegend aus nahrungsmitteln und
rohmaterialien bestehen, die dem sonderzuschlag nicht unterliegen.
sie fühlen sich aber durch das einseitige vorgehen
der labour-regierung vor den kopf gestossen und bezeichnen
dieses als unvereinbar mit dem geist des efta-vertrages.
keines der übrigen efta-länder wurde nämlich vorher von
der britischen regierung konsultiert.
die labour-regierung wieder führt ins treffen, dass
die von ihrer vorgängerin, der konservativen partei, übernommene
wirtschaftslage äusserst kritisch gewesen sei.
wären die drastischen massnahmen auch nur einige wochen lang
hinausgeschoben worden, hätte dies unvermeidlich eine
abwertung des pfund sterlings zur folge gehabt. allerdings
hatte die britische regierung zeit gefunden, die amerikanische
regierung von der beabsichtigten einführung des sonderzuschlages
vorher in kenntnis zu setzen, was von den
übrigen efta-partnern als beleidigung aufgefasst wurde.
die ewg-länder widersetzen sich einer sonderbehandlung
der efta-länder. sie haben sich zwar bereiterklärt,
einen grossen teil der grossbritannien vom internationalen
währungsfonds zur verfügung gestellten anleihe in höhe
von 400 mill.dollar aufzubringen, mit der das zahlungsdefizit
grossbritanniens überwunden werden soll, aber
nur unter der bedingung, dass sich die britische regierung
verpflichtet, ihren übrigen efta-partnern keine sonderzugeständnisse
einzuräumen, solange der 15prozentige
zollzuschlag in kraft ist.
trotz aller heftigen worte, die in dieser angelegenheit
auf seiten der efta-länder gefallen sind, wird in genfer
efta-kreisen bezweifelt, dass es zu einem zusammenbruch
dieser organisation kommen wird. vielfach wurde zwar von
vergeltungsmassnahmen gesprochen, insbesondere von schweden
und der schweiz, doch würde dies nur einen allgemeinen
handelskrieg bedeuten, den niemand wünscht.
die britische regierung ist sich des ernstes der lage
voll bewusst und sendet eine schlagkräftige delegation
nach genf, um ihren efta-partnern standhalten zu können.
an der spitze der delegation stehen aussenminister gordon
walker, handelsminister douglas jay und landwirtschaftsminister
fred peart. sie werden dabei ins treffen führen,
dass es sich bei dem zuschlag nur um eine vorübergehende
massnahme handle, die im kommenden frühjahr überprüft
werden soll. welche kompensationen grossbritannien aber
anbieten wird, ist noch völlig unbekannt.(schluss)1427/mz+

 

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