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08.03.1956 / Meldungs-Nr.: AHI0223 / Ressort: KI (KI) Seite $page.NUMBER / $page.COUNT      

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k 115 hamburg, 8.3.(dpa) zum rücktritt prof karl böhms und zu seiner äusserung, er sei nicht gesonnen, der wiener =

 
k 115
hamburg, 8.3.(dpa) zum rücktritt prof karl böhms
und zu seiner äusserung, er sei nicht gesonnen, der wiener
staatsoper seine karriere zu opfern, schreibt heute die hamburger
tageszeitung "die welt ".
" was für ein opfer bringt ein dirigent seiner karriere,
wenn er sich darauf beschränkt, den aufführungen eines weltberühmten
instituts, wie der wiener staatsoper, den glanz höchster
künstlerischer vollendung zu geben - eines instituts, das
noch dazu eine ganzer staat als höchsten ausdruck seiner kulturellen
repräsentation nicht nur empfindet, sondern auch entsprechend
finanziert.
dr. böhm will sich nicht damit bescheiden, zu hause
ruhige stetige und gute arbeit zu leisten. er will nicht warten,
bis der ruhm zu ihm kommt (obwohl er sich über mangel an
anerkennung doch gewiss auch jetzt schon nicht zu beklagen hat)
sondern er will ihm nachlaufen, will die verlockenden angebote
zu gastspielen im ausland obwohl seiner dort zum teil nur
mittelgute orchester und ad hoc zusammengetrommelte opernensembles
harren, nicht verzichten.
künstler, die so handeln wie dr. böhm, die auf ihren
vermeintlichen oder effektiven seltenheitswert pochen und
daraus künstlerisch gewissenlos kapital schlagen, setzen sich
dem verdacht aus, nur " geld " zu meinen, wenn sie " kunst"
sagen. damit erhalte die ganze sache, so meint
" die welt ", einen sehr bedenklichen, geradezu makabren
menschlichen aspekt. es werde deutlich, dass es sich hier nicht
um eine krise der oper, sondern um eine krise der persönlichkeit
handle.
nicht die "oper" habe versagt, schreibt das blatt,
sondern "die männer versagen, die man zu opern - leiter
gemacht hat, ohne dass sie bis zur letzten konsequenz bereit
sind, der sache, die sie übernommen haben, ihren falsch
verstandenen "persönlichkeits" - ehrgeiz zu opfern.
(schluss)+1708+ba+

 

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