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07.02.1962 / Meldungs-Nr.: AHI0233 / Ressort: KI (KI) Seite $page.NUMBER / $page.COUNT      

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k 175 rücktritt karajan 3 (apa) bei einer heute abend in den räumen der staatsoperndirektion =

 
k 175
rücktritt karajan 3 (apa)
bei einer heute abend in den räumen der staatsoperndirektion
einberufenen pressekonferenz erschien nicht, wie angekündigt,
herbert von karajan selbst vor den versammelten in- und
ausländischen pressevertreter, an seiner stelle verlas
der administrative leiter der staatsoper, direktor albert moser
den brief, den karajan heute an bundesminister dr. heinrich
drimmel gerichtet hat:
hochverehrter herr minister:
nachdem am dienstag, den 30. jänner l.j. die fünf monate
lang dauernden verhandlungen zwischen der bundestheaterverwaltung
und der "gewerkschaft technisches personal" an dem
ergebnis der urabstimmung gescheitert waren, haben wir uns,
herr minister, auf meinen ebenfalls am 30. jänner gemachten
vorschlag geeinigt, die operndirektion solle nunmehr von sich
aus versuchen, in persönlichem kontakt mit allen gruppen des
technischen personals der staatsoper die echten bedingungen zur
wiederherstellung eines gesicherten künstlerischen betriebes
und eines guten arbeitsklimas als grundlage neuer verhandlungen
zu klären. ich hatte nach unserer unterredung die vollkommene
zuversicht, dass ich gemeinsam mit ihnen helfen könnte, einen
ausweg aus der offenbar festgefahrenen situation zu finden.
umsomehr musste es mich überraschen, dass zwei tage,
nachdem diese verhandlugen eingeleitet waren, der direktion
gerüchteweise bekannt wurde, dass die bundestheaterverwaltung
neuerlich in verhandlungen mit der gewerkschaft eingetreten sei,
diesmal aber gegen jede frühere gewohnheit - unter ausschaltung
der direktion der staatsoper. nachdem auf befragen die bundestheaterverwaltung
diese gerüchte bestätigte und darüber
hinaus den ausschluss der staatsoperndirektion als bewusst
bezeichnete, habe ich am samstag, den 3. februar l.j. offiziell
protest dagegen erhoben, dass für den betrieb lebenswichtige fragen
ohne hinzuziehung des künstlerischen leiters und seiner
direktion verhandelt werden.
erst am montag, den 5. februar - kurz vor meiner
ankunft - wurde meinem vertreter - auf dessen dringendes
ersuchen - inhalt und form des vorbereiteten abkommens bekanntgegeben
und als endgültig bezeichnet.
die tatsache, dass man sich unter bewusster ausschaltung
des künstlerischen leiters und seiner direktion auf einen
kompromissvorschlag geeinig hat, stellt einen so schwerwiegenden
eingriff in die kompetenzen des künstlerischen leiters dar,
dass dessen funktion unter solchen umständen sinnlos wird und
es ihm unmöglich macht, das von ihnen seit jahren in ihn gesetzte
vertrauen in zukunft weiter rechtfertigen zu können.
ich sehe mich deshalb gezwungen, mit dem heutigen tag die
künstlerische leitung der staatsoper in ihre hände
zurückzulegen.
direktor moser lehnte jeden weiteren kommentar zu dieser
stellungnahme ab. (forts.)+tz+2000+

 

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