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05.11.1955 / Meldungs-Nr.: AHI0172 / Ressort: KI (KI) Seite $page.NUMBER / $page.COUNT      

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k 84 staatsakt 4 (apa) um 10.55 hatten die geladenen festgäste ihre plätze =

 
k 84
staatsakt 4 (apa)
um 10.55 hatten die geladenen festgäste ihre plätze
eingenommen, um punkt 11OO uhr hob sich der vorhang über der bühne,
auf der, in zwei rechtecken gruppiert, die solisten der wiener
staatsoper, das ballett, der chor sowie das technische personal
platz genommen hatten. der bundespräsident betrat um 11,05 uhr
seine loge. er wurde von den künstlern und dem publikum,
die sich von ihren sitzen erhoben hatten, mit applaus begrüsst.
staatsoperndirektor dr. böhm gab den wiener philharmonikern
den einsatz für die bundeshymne.
nachdem die gäste wieder platz genommen hatten, hob kapellmeister
wilhelm loibner den taktstock für die "königsfanfaren"
aus der oper "fredigundis" von franz schmidt, dr. karl böhm
dirigierte anschliessend "air" aus der suite in d-dur von
johann sebastian bach.
danach wurden in der mitte der bühne ein kleiner tisch,
drei vergoldete sesseln, ein rednerpult und ein mikrophon aufgestellt.
auf den sesseln nahmen unterrichtsminister dr. drimmel,
handelsminister dr. illig und staatsoperndirektor karl böhm
platz dann betrat der leiter der bundestheaterverwaltung,
ministerialrat marboe das rednerpult. er führte u.a. aus,
dass seit der eröffnung dieses hauses am 25. mai 1869 sich
noch kein zweites ähnlich festliches auditorium hier versammelt
hat wie heute, am tage der wiedereröffnung, gleichsam der
zweiten geburt der wiener staatsoper. er verglich die hohen
gäste in dem geschlossenen ring von zuschauerraum und bühne
mit einer einzigartigen opernfamilie, die sich als abwandlung
eines in der gegenwärtigen phase des suchens der welt nach
einem neuen gleichgewicht der kräfte höchst aktuell wirkenden
satzes von friedrich hebbel aufbaut: "dieses österreich ist
eine kleine welt, in der die grosse ihre probe hält."
in diesen tagen, da wien sein burgtheater und nunmehr die oper
wiedereröffnet, hält österreich probe für die hoffnung einer
ganzen welt auf frieden durch das bekenntnis zur kunst,
und zwar in dem bewusstsein eines unveräusserlichen vermächtnisses,
das auf diesem lande ruht.
die nennung der namen der ungezählten persönlichkeiten,
die sich zum festakt eingefunden hatten, begann ministerialrat
marboe mit der 2ljärigen ingrid brecher, einer enkelin van
der nuells, weiters nannte er karl brioschi, dessen vater,
grossvater und urgrossvater ausstattungschefs und bühnenbildner
der wiener hofoper waren. er nannte weiters die anwesenden
nachkommen und anverwandten bedeutendster komponisten, staatsoperndirektoren
und dirigenten, er begrüsste unter wiederholtem
starken applaus die ehrenmitglieder und die verdienten ehemaligen
mitglieder der staatsoper. er begrüsste ferner die mit der
oper eng verbundenen komponisten und erinnerte daran, dass
der greise meister toscanini, dem die reise nach europa erst
im sonnenschein des nächsten frühjahrs gestattet ist, tochter
und enkelin mit seinen grüssen nach wien entsandt hat.
ministerialrat marboe gedachte dann einiger prominenter
künstlerpersönlichkeiten, die an der gastaltung des opernfestes
mitgewirkt haben. "werden wir uns bewusst", sagte er u.a.,
"dass die künstler, die in diesem hause schaffen, immer wieder
urteilen und meinungen ausgesetzt sind, die gerade in wien mit
einem oft grausamen hang zur wahrheit geäussert werden. diese
umfassende kritik, beifall und missfallen des wiener und des
österreichischen kunstpublikums begründen das geheimnis der
qualität dieses hauses. danken wir aber jenen, die das wagnis
unternehmen, an die spitze der häuser oder auf die bühne zu
treten, und schöpfen wir für uns eine ermahnung, in der kritik
der liebe und des respektes niemals zu entraten.
der redner kam dann auf jene hunderte menschen zu sprechen,
in denen die heutige wiener staatsoper verkörpert ist: bühnenversenker,
schnürbodenmeister, waffenschmiede und garderobieren,
maler, bildhauer, kostümwerkstättenarbeiter, technisches
personal, ballet, szenischer hilfs- und regiedienst, souffleure,
inspizienten, chordirigenten und kapellmeister und der kern
der oper, das ensemble der solisten und das orchester der
philharmoniker. keine andere oper nennt so ein orchester sein
eigen, das prominenteste orchester seines landes und einses der
fünf spitzenorchester der welt. (fortsetzung)+1556/ip+

 

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