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05.11.1955 / Meldungs-Nr.: AHI0158 / Ressort: KI (KI) Seite $page.NUMBER / $page.COUNT      

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k 24
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drimmel 2 (apa)
für diese vorstellung des kulturellen antlitzes unseres
landes stehe person und werk des salzburgers mozart, die zum
mitbesitz der ganzen musikwelt wurden, ebenso als symbole wie
der rheinländer beethoven, der gleichsam als sendbote aus
dieser welt zu uns nach wien gekommen ist. so betrachtet ist die
ungebrochene kontinuität musikalischer tradition, die seit den
tagen haydns hier in wien, sozusagen auf einer handbreit
erde ein aufblühen und einwurzeln stärkster gestaltungskräfte
bezeugt, kein zufall, sondern ausdruck einer inneren notwendigkeit,
die, wir mit ehrfurchtsvollem staunen wahrnehmen müssen.
es ist der aus edler menschlichkeit entspringende auftrag,
der uns aus mozarts und beethovens werk immer wieder bewusst
wird und den antrieb eigener entfaltung und vollendung herausfordert.
in der zeit, in der die existenz des menschen gefahrumwittert
in allen bereichen des geistigen und des materiellen,
jedermann die eigene fragwürdigkeit des daseins qualvoll zu
offenbaren scheint, lässt uns mozarts lebensgleichung zuletzt
doch ein tröstliches empfinden, so wie beethoven - dem ursprünglichen
sinne der eroica-widmung getreu - den helden
im dienst der menschheit aufruft.
den österreichern müssten die proportionen solcher
überlebensgrosser zeitlosigkeit das mass der ansprüche künstlerischen
schaffens vorschreiben. indem wir den umblick in solchen
weitgesteckten horizonten wagen, werden wir jene äusserste kraft
fassen können, die ein äusserstes ziel verlangt.
diese stunde - die der offiziellen repräsentation eingeräumt
ist - steht dennoch zuerst und zuletzt ganz im banne
der musikalität.
als wir für die feierliche eröffnungsvorstellung
beethovens "fidelio" auswählten, sollte die aufführung
dieses werkes den freiheitswillen eines landes und seines volkes
angesichts der damals noch im lande aufgerichteten gesslerhüte
sinnfällig bekunden. nun dürfen wir dem schicksal dafür danken,
dass uns heute abend das nämliche werk, gleichsam symbol und
dokumentation erfüllten freiheitstrebens, dargeboten wird.
in dieser feierstunde klingen in uns noch einmal - wie ein
später und gedämpfter nachhall - die sätze von haydns
streichquartett c-dur, opus 76, nr. 3, die variationen über
das thema der volkshymne, so wie sie uns damals erklungen sind,
am abend des 11. märz 1938, feierlich, klagend, leidenschaftlich
ergreifend und zuletzt versöhnend, ehe es nacht wurde
über österreich.
jetzt wehen wieder die rot-weiss-roten fahnen über dem
land.(forts.)+0928+sm+
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