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05.11.1955 / Meldungs-Nr.: AHI0170 / Ressort: KI (KI) Seite $page.NUMBER / $page.COUNT      

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k 62 böhm 1 wien, 5.11.(apa) der direktor der wiener staatsoper =

 
k 62
böhm 1
wien, 5.11.(apa) der direktor der wiener staatsoper
dr.karl böhm sagte in seiner ansprache anlässlich des
staatsaktes in der oper: "oh gott, welch ein augenblick" -
kein anderer satz könne besser das ausdrücken, was mich
in dieser stunde bewegt, als die worte leonores, die sie heute
abend nun erstmals von dieser bühne herab hören werden.
lassen sie auch mich, verehrte festversammlung, im sinne dieser
worte und im sinne der musik beethovens den gegenwärtigen
augenblick begehen: in ergriffenheit, in andacht, in demut.
es ist wahrhaftlig ein grosser augenblick. nicht nur für
die künstler und musiker unter uns, sondern für die gesamtheit
unseres landes. und glauben sie mir, gerade als künstler
und musiker fühle ich den geistigen strom dieser allgemeinen
anteilnahme an unserem opernfest, einer anteilnahme, die
ich eine vom herzen kommende patriotische manifestation nennen
möchte. und diese manifestation wieder zeigt, dass uns der
begriff "wiener oper" mehr bedeutet als glanzvolles theater,
mehr als vornehme pflegestätte musikdramatischer oder lyrischer
kunst., sondern in diesem begriff scheint so gut wie alles
enthalten und zusammengefasst, was unseren tag erhellt, was
unser dasein verschönt, was unser leben eigentlich erst lebenswert
macht.
"wiener oper" ... generationen haben daran mitgewirkt,
diesen begriff aufzubauen und ihm jene grossartige,
jene einzigartige inhaltsfülle zuzuführen.
eine höhere macht hat unser land ausersehen, vaterland
der grossen klassischen musik zu sein. die musische sendung,
deren wir uns rühmen dürfen, haben wir uns nicht eigenmächtig
zugesprochen. sie wurde uns vom schicksal auferlegt. wir stellen
die kunst und die musik so hoch, wir stellen sie allem anderen
voran, nicht so sehr, weil wir und an ihr nur äusserlich berauschen,
sondern weil wir der aufgabe, der uns zugewiesenen
grossen mission gerecht werden wollen. in der musik hat der
genius österreich gestalt angenommen. am liebsten möchte ich
sagen, sichtbare, greifbare gestalt, wenn es nicht so paradox
klänge. und diesem genius haben wir unser herrliches
opernhaus errichtet, als seine heimat, als würdigste kultur-
und pflegestätte. wenn wir uns heute, die aus kriegsverwüstung
wieder aufgebaute und hergestellte kultur- und pflegestätte
feierlich einweihen und beziehen, so ist das weit mehr
als ein musikfest, es ist ein akt von geradezu einmaliger
kultureller bedeutung. (fortsetzung) 1412 mzi+

 

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