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25.10.1955 / Meldungs-Nr.: AHI0205 / Ressort: Wirtschaft (WI) Seite $page.NUMBER / $page.COUNT      

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w 164 wien, 15.10.(apa) um den betrieb der nunmehr verstaatlichten berndorfer metallwarenfabrik a.g. rationell gestalten und =

 
w 164
wien, 15.10.(apa) um den betrieb der nunmehr verstaatlichten
berndorfer metallwarenfabrik a.g. rationell gestalten und
in die österreichische volkswirtschaft eingliedern zu können,
wird ein investitionsaufwand von rund 300 mill. s notwendig
sein, wurde heute bei einer besichtigung dieses früheren
usia-betriebes, der unter der öffentlichen verwaltung von
dipl. ing. langegger und dipl. ing. riss sowie unter der
werksleitung von ing. mittermüller steht, bekanntgegeben.
wie lange die durchführung des investitionsprogramms in anspruch
nehmen wird, hängt von dem tempo ab, in welchem dem betrieb
diese mittel zugeführt werden.
bei beendigung der feindseligkeiten im jahre 1945 fiel
der betrieb der besatzungsmacht fast unversehrt in die hände
und stand als "deutsches eigentum" auf der demontageliste.
er befindet sich heute noch in einem zustand, wie zahlreiche
österreichische werke unmittelbar nach dem krieg. die
usia-verwaltung hat 1O jahre hindurch nicht nur keine investitionen
gemacht, sondern auch etwa 1.300 waggons maschinen demontiert.
für die erzeugung wurden alte, zum verschrotten bestimmte maschinen
aufgestellt, die heute vollkommen veraltet und für einen
modernen betrieb unbrauchbar sind. mit diesen maschinen wird
auch gegenwärtig noch gearbeitet.
im sofortprogramm ist vor allem der ausbau der laufenden
erzeugung von bestecken und tafelgeräten, buntmetallhalbzeug
und apparaten vorgesehen. in weiterer folge ist die wiederaufnahme
früherer produktionen geplant, von denen die interessanteste
die filmgiessband/erzeugung ist, bei der österreich ein weltmonopol
besitzt. es handelt sich hier um ein metallband von
einer breite von 1,20 bis 1,50 m und einer länge von 28
bis 70 m. die filmfabriken lassen auf das band die filmmasse
fliessen. die oberfläche des metallbandes darf nicht den
geringsten fehler aufweisen, da sonst der film unregelmässigkeiten
zeigen würde. das absatzgebiet für diesen artikel ist nahezu
unbeschränkt und er würde die grosse aktivpost des neu
aufgebauten werkes bilden. diese produktion wurde nach der
übernahme des betriebes durch die usia-verwaltung in ranshofen
neu eingerichtet und soll nunmehr wieder nach berndorf verlegt
werden.
die stärke des betriebes ist die erzeugung von alpakabestecken,
für die in der ganzen welt, besonders im orient,
nach wie vor grosses interesse herrscht. da der name "berndorfer"
noch immer einen guten ruf hat. alpaka ist eine legierung
von kupfer und nickel mit einem geringen zusatz von zink,
oxydiert nicht, hat eine starke federungskraft und beständigkeit.
von den durchschnittlich 2.500 menschen, die früher in
der berndorfer metallwarenfabrik arbeiteten, sind geqenwärig
nur mehr 769 beschäftigt. die verwaltung glaubt, mit hilfe
des investitionsprogramms den beschäftigtenstand wieder
auf etwa 1.500 mann bringen zu können, wobei bei den einstellungen
insbesondere jene 800 menschen berücksichtigt werden sollen,
die heute ihre arbeit ausserhalb von berndorf verrichten müssen.
die erzeugung soll auf dem früheren russischen militärgelände,
auf dem sich auch die erst nach 1938 errichteten
werkshallen befinden, neu eingerichtet werden. ferner ist seit
zwei jahren im triestingtal die errichtung einer leichtmetallfabrik
für halbzeug geplant, die nunmehr auf auf dem gelände der berndorfer
metallwarenfabrik aufgebaut werden soll. ob eine enge organische
bindung der beiden werke zweckmässig sein wird, bleibt noch
zu untersuchen.
der besteckbetrieb, in dem 1937 noch rund 4.000 dutzend
bestecke pro tag erzeugt wurden, kann heute wegen seiner primitiven
ausrüstung lediglich ein zwölftel dieser leistung aufweisen.
der gesamtausstoss des betriebes belief sich 1937 auf rund
9.300 t, von denen etwa 5.400 t exportiert wurden.
es wird notwendig sein, einen teil der zerstörten hallen
vollkommen abzutragen, während bei den anderen die herrichtung
etwa 50 prozent der kosten eines neubaues erfordern würde.
(schluss)2002+bi

 

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