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21.10.1955 / Meldungs-Nr.: AHI0192 / Ressort: Wirtschaft (WI) Seite $page.NUMBER / $page.COUNT      

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w 64 wien , 2l.10. (apa) - die österreichische chemische industrie, deren bedeutung vor dem krieg im rahmen der gesamten industrie =

 
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wien , 2l.10. (apa) - die österreichische chemische industrie,
deren bedeutung vor dem krieg im rahmen der gesamten industrie
relativ gering war, ist heute dem produktionswert nach der
drittgrösste industriezweig österreichs und mit einer reihe
ihrer erzeugnisse auf dem weltmarkt führend. während vor dem
2. weltkrieg die chemie-exporte unbedeutend waren, ist die chemische
industrie bereits in der lage, etwa die hälfte der erforderlichen
chemie-importe durch eigene exporte zu decken. im
vergangenen jahr betrugen die chemie-importe 2,2 mrd. s und die
direkten exporte fast 1,2 mrd. s. im ersten halbjahr 1955
erreichten die importe 1,3 mrd. s und die exporte fast 0,6 mrd. s.
die österreichische chemische industrie ist vor allem aber zu
einem sehr bedeutenden teil indirekt am export österreichischer
fertigwaren beteiligt.
zu den grössten devisenbringern gehört die zellwolleproduktion
in lenzing. die erzeugung im ersten halbjahr 1955
betrug 19.158 t, von denen fast 42 prozent im werte von fast
120 mill. s exportiert wurden. gegenüber dem ersten halbjahr
1954 ist die produktion um 8 prozent und der export sogar um
27 prozent gestiegen. mit der gegenwärtigen erzeugung von rd.
118 tagestonnen zellwolle ist lenzing kapazitätsmässig der grösste
zellwolle-betrieb europas, wenn nicht sogar der ganzen welt.
eine weitere produktionssparte der österreichischen
chemischen industrie von weltruf ist die stickstofferzeugung in linz.
die stickstoffwerke linz stehen mit der erzeugung von 280.000 t
stickstoffdünger im ersten halbjahr d.j. in bezug auf die
weltproduktion an 15. und in der europa-produktion an 10. stelle.
zur zeit werden rund drei viertel der stickstoffdüngerproduktion
in die ganze welt exportiert, 60 prozent an europäische länder,
22 an afrika, 12 prozent nach asien und 6 prozent nach amerika.
die ende des vorjahres in betrieb genommene superphosphatanlage
wird heuer voraussichtlich 60.O0O t erzeugen und der österreichischen
landwirtschaft zuführen. durch diese produktion ergibt
sich für österreich eine deviseneinsparung von rd. 1 mill.
dollar, da superphosphat bisher importiert werden musste.
einen sehr beachtlichen aufschwung hat auch die erzeugung
von pharmazeutischen und kosmetischen präparaten nach dem
krieg genommen. stammten z.b. vor dem kriege rd. 80 prozent aller
in österreich verbrauchten arzneimittel aus dem ausland, so liegt
dieser importbedarf heute nur mehr bei etwa 20 prozent, wobei
selbst diese vielfach konfektionierungen darstellen. neben der
arzneimittelsynthese wurde auch die produktion von penicillin und
anderen antibiotika in tirol aufgenommen. auf diesem sektor kann
nicht nur der eigenbedarf voll gedeckt, sondern auch noch
ein beträchtlicher teil exportiert werden. überdies ist
es österreichischen chemikern gelungen, ein säurestabiles
penicillin zu entwickeln, das nicht mehr injiziert werden muss,
sondern in form von tabletten verabreicht werden kann. in manchen
heilmitteln ist österreich sogar führend, so z.b. auf dem
gebiete der blutderivate, wie gammaglobulin u s w.
zu den wichtigsten sparten der chemischen industrie gehört
u.a. auch die kunststofferzeugung und -verarbeitung. die
österreichische chemische industrie war bemüht, den vosprung
der in amerika und england in den kriegs- und ersten nachkriegsjahren
auf diesem sektor erzielt wurde, einzuholen und sich der
internationalen entwicklung anzuapssen. die stürmische entwicklug
auf diesem sektor ist daraus zu ersehen, dass allein von 1953
auf 1954 die österreichische erzeugung an kunststoffen und kunstharzen
eine 40 prozentige steigerung erfuhr. die grösste bedeutung
kommt hierbei dem kunststoff polyvinylchlorid (pvc), der populär
als plastic bezeichnet wird, zu, auf den 67 prozent der verarbeiteten
kunststoffe im vorjahr entfielen. die polyvinylchloridproduktion
in österreich deckt nicht nur zur gänze den inländischen
bedarf, sondern ist darüber hinaus in der lage, erhebliche
mengen zu exportieren. auf dem kunststoffverarbeitungssektor
bestehen derzeit in österreich rd. 90 industrielle und
zwei- bis dreihundert gewerbliche betriebe.
darüber hinaus umfasst die produktion der österreichischen
chemischen industrie eine vielzahl weiterer artikel von
farben und lacken, pflanzen- und schädlingsbekämpfungsmitteln,
chemischen büroartikeln, sprengstoffen, bis zu kautschuk- und
asbestwaren, technischen gasen, bautenschutzmitteln usw., bei
denen ebenfalls neben der deckung des inlandsbedarfs beträchtliche
exporte in alle welt getätigt werden. (schluss)+ru+1524+

 

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