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27.07.1955 / Meldungs-Nr.: AHI0007 / Ressort: Innenpolitik (II) Seite $page.NUMBER / $page.COUNT      

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i 29 sperrfrist bis ausdrückliche freigabe ansprache 3 (apa) =

 
i 29
sperrfrist bis ausdrückliche freigabe
ansprache 3 (apa)
vizekanzler dr. schärf erklärte: " die letzte der
grossmächte, mit denen der österreichische staatsvertrag
abgeschlossen wurde, frankreich, hat nunmehr die ratifikationsurkunde
in moskau hinterlegt. der staatsvertrag tritt
in kraft.
im jahr 1945 hat sich kaum jemand gedacht, dass österreich
noch 10 jahre auf die in der moskauer deklaration des
jahres 1943 verheissene unabhängigkeit warten müsse. trotz
der für österreich erschreckenden bestimmungen des potsdamer
übereinkommens zwischen den siegermächten konnte
sich doch niemand eine vorstellung von der schwere der
bedingungen machen, die uns im jahr 1947 zugedacht wurden.
hält man rückschau auf die mehr als achtjährige
geschichte der staatsvertragsverhandlungen, dann erkennt man,
dass österreich grossen gefahren entgangen ist .
nach dem ersten uns übergebenen entwurf hätte nämlich
der ganze von den russen als deutsches eigentum in besitz
genommene komplex, den wir später als vermögen der
usia, der sowjetischen mineralölverwaltung, der orop und der
donaudampfschiffahrtsgesellschaft bezeichnen lernten. dauernd
im besitz der sowjetunion bleiben sollen. österreich wäre
damit in wichtigen teilen seines gebietes , in wien, in
niederösterreich, im oberösterreichischen mühlviertel und
im burgenland, dauernd unter der wirtschaftlichen übermacht
eines grossstaates gestanden , dessen grenzen nicht weit von
den unseren verlaufen.
in den jahrelangen, mit grösster zähigkeit geführten
verhandlungen gelang es, diese enklaven einer fremden
wirtschaft zu beseitigen. zuerst hinsichtlich der usiabetriebe,
heuer hinsichtlich der donaudampfschiffahrtsgesellschaft
und hinsichtlich der erdöl- unternehmungen.
es gibt in der geschichte kein vorbild so lang andauernder
verhandlungen über einen friedensvertrag oder einen staatsvertrag -
es scheint fast, als ob er uns schon allein deshalb
so lieb und wert geworden ist, weil er uns so lange
vorenthalten wurde. es darf aber doch nicht vergessen werden,
dass der jetzt in kraft getretene vertrag ganz anders aussieht,
als der vertrag war , der in früheren jahren zustandegekommen
wäre.
das österreichische volk erlangt , trotz aller bürden,
die ihm der vertrag auferlegt, grössere freiheit und ein
reicheres ausmass an souveränität, als wir je seit 1918 besassen.
das ist grund genug zur freude. während der vertrag
von st. germain in österreich recht lust - und freudlos
aufgenommen wurde, wurde der im mai in wien abgeschlossene
staatsvertrag mit freuden begrüsst.
österreich ist also frei: fesseln, die seiner verwaltung ,
seiner gesetzgebung und seiner wirtschaft auferlegt
waren, fallen ab. wir stehen in vielem vor neuen und
ungewohnten aufgaben: ihre bewältigung ist uns durch die mit
ausländischer hilfe erfolgte ausgestaltung unserer
wirtschaft, im besonderen unserer industrie- und kraftwerksunternehmungen,
erleichtert worden. im gegensatz zur zeit
nach dem ersten weltkrieg, wird unser erster schritt in die
freiheit nicht durch wirtschaftliche notstände gehemmt sein.
das österreichische volk, das sich würdig erwiesen
hat, die freiheit zu bekommen, wird sich auch würdig
erweisen, die freiheit zu geniessen.
wir dürfen aber nicht glauben , dass nun ein zeitalter
heraufkommt, das uns nur jubel erlaubt. was das österreichische
volk so schwer erwartet und errungen hat, das wird es sich
nun täglich neu sichern müssen. eines der höchsten güter
des menschen , die freiheit (fortsetzung möglich ) +1007+ba+
bitte sperrfrist beachten

 

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