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i 119 achtung sperrfrist bis 20 uhr withalm 2 (apa) =

 
i 119
achtung sperrfrist bis 20 uhr
withalm 2 (apa)
dieser entschluss des finanzministeriums wird der mit der
durchführung von verwertungsmassnahmen beauftragten stelle bekanntgegeben.
diese stelle ist die neu geschaffene abteilung B
der vermögensschutz g.m.b.h. die vermögensschutz g.m.b.h.
hat sodann die aufforderung zur anbotstellung gemäss paragraph 47
abs. 3 des 1. stvdg. zu veranlassen, die verhandlungen mit
den einzelnen kaufwerbern zu führen, ihnen die unterlagen zur
verfügung zu stellen, die eine anbotstellung ermöglichen,
die schätzung der abzuverkaufenden werte durchzuführen und
schliesslich dem bundesministerium für finanzen die unterlagen
vorzulegen, die eine entscheidung, an wen verkauft werden soll,
ermöglichen bzw. erleichtern.
die entscheidung, was bzw. an wen verkauft werden soll,
liegt somit ausschliesslich beim bundesministerium für finanzen,
während alle zwischen diesen beiden entscheidungen liegenden arbeiten
von der vermögensschutz g.m.b.h. zu leisten sein werden.
die entscheidung wird vor allem davon abhängen, dass
tatsächlich eine organische eingliederung in die österreichische
volkswirtschaft erfolgt. keinesfalls darf der preis
allein das ausschlaggebende moment für die zu treffende
entscheidung sein. das bundesministerium für finanzen wird
sich vielmehr bei seiner entscheidung davon leiten lassen, ob
der käufer die garantie zu bieten scheint, dass der betrieb nicht
nur weitergeführt, sondern womöglich noch ausgebaut und ausgestaltet
wird und dass die belegschaft ihre arbeitsplätze erhält.
zu diesen gesichtspunkten kommt als neues und wesentliches
erfordernis, ob und wie weit der kaufwerber bereit ist, neuen
sozialpolitischen gedanken rechnung zu tragen. in diesem zusammenhang
muss vor allem von der volksaktie und von der partnerschaft
gesprochen werden. es ist ungemein erfreulich , dass bei bisher
geführten gesprächen mit kaufwerbern für deutsches eigentum
eine ausgesprochene aufgeschlossenheit für die volksaktie sowohl
als auch für die partnerschaft festgestellt werden konnte.
eines darf in diesem zusammenhang bemerkt werden. mit
rücksicht auf die ungeheure bedeutung, die der volksaktie in
der zukunft zukommen wird ? der erfolg der ausgabe von bankaktien
bestätigt die richtigkeit dieser behauptung - wird die
volksaktienausgabe auf die besten unternehmungen und betriebe zu
beschränken sein. wir haben im bereich des deutschen eigentums
gott sei dank einige betriebe, die für die ausgabe von volksaktien
durchaus in frage kommen.
auch in der frage der partnerschaft wurden mit einigen kaufwerbern
bereits durchaus ernstzunehmende gespräche geführt.
die hauptschwierigkeit wird hier in der kapitalbeschaffung liegen.
dieser schwierigkeit wird man durch pachtgesellschaften kaum herr
werden können. ein durchaus vernünftiger und gangbarer weg
scheint jedoch in dem vorschlag gegeben zu sein, der mir erst
vor kurzem gemacht wurde: ein kapitalkräftiger käufer stellt
für die belegschaft des anzukaufenden betriebes etwa 20 prozent
des kaufpreises vorschussweise zur verfügung. die belegschaft
würde in diesem fall zu 20 prozent miteigentümer des betriebes
und müsste den vorschussweise zur verfügung gestellten kaufpreis
innerhalb einer festzusetzenden frist zurückzahlen.
damit soll nur eine möglichkeit der mitbeiteiligung der
arbeiterschaft, die von einem unternehmer angeregt wurde, aufgezeigt
werden. es gibt deren ohne zweifel wesentlich mehr und sie
werden bei liquidierung des deutschen eigentums entsprechend berücksichtigung
finden.
auf eines wird bei abverkauf des deutschen eigentums
noch besonders bedacht zu nehmen sein: die republik österreich
hat die verschiedensten betriebe, unternehmen und vermögenswerte
übernommen.. gute und schlechte, grosse und kleine. eine
planung auf lange sicht wird sich bei notleidenden betrieben -
deren haben wir leider mehr als gut ist - nicht durchführen lassen.
ein schleuniger abverkauf wird daher gerade in diesen fällen dringend
notwendig sein. bei gesunden unternehmungen wird eine entsprechende
planung äusserst zweckmässig und notwendig sein.
hiebei werden wir einen beitrag zur verwirklichung des gemeinsamen
europäischen marktes leisten können.aber selbstverständlich
darauf bedacht nehmen, dass keine überfremdung der österreichische
wirtschaft eintritt".
wir dürfen die hoffnung aussprechen, sagte staatssekretär
dr. withalm abschliessen, dass die zwischenstaatlichen verhandlungen
zwischen österreich und deutschland ehebaldigst zu einem
günstigen, für beide teile tragbaren ergebnis kommen und dass
dann an die endgültige bereinigung dieses dornigen kapitels
der nachkriegsgeschichte, das uns österreichern so gar keine
freude bereitet hat, geschritten werden kann".
(schluss)+1752+sa+

 

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