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23.06.1955 / Meldungs-Nr.: AHI0201 / Ressort: Wirtschaft (WI) Seite $page.NUMBER / $page.COUNT      

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w 96 wien, 23.6.(apa) der gestern unter vorsitz von generaldirektor josef bauer abgehaltene verkehrspolitische ausschuss =

 
w 96
wien, 23.6.(apa) der gestern unter vorsitz von generaldirektor
josef bauer abgehaltene verkehrspolitische ausschuss
der bundeshandelskammer befasste sich mit der schwierigen
situation der personenschiffahrt auf der österreichischen
donaustrecke. in einer resolution wurden die landesregierungen
der an der donauschiffahrt interessierten bundesländer ersucht,
subventionen zur verfügung zu stellen, die der ddsg die
aufrechterhaltung des personenlinienverkehrs mit donauschiffen
ermöglichen. die fortführung des personenschiffverkehrs
liegt, wie einmütig festgestellt wurde, in erster linie im
interesse des niederösterreichischen fremdenverkehrs, aber
auch aller anderen gewerblichen betriebe an der donaustrecke.
ohne finanzielle hilfe wäre die ddsg nicht mehr in der
lage, schiffe für die personenbeförderung auf der donau
zur verfügung zu stellen. gegenwärtig bringt jedes auslaufende
schiff der ddsg schwere finanzielle verluste. im jahre 1954
konnte die ddsg ihren gesamten betriebsfähigen fahrzeugpark,
der aus 8 schiffen (und zwar "stadt passau", "stadt wien",
"johann strauss", franz schubert", "schönbrunn",
"budapest", "hebe" und "linz") besteht, nur in der zeit
von mitte mai bis mitte september einsetzen. die schiffe
beförderten in dieser zeit insgesamt 346.200 fahrgäste.
die gesamteinnahmen aus dem personenverkehr des jahres
1954 beliefen sich auf rund s 3,475.OOO.-, die nach betriebswirtschaftlichen
grundsätzen ermittelten kosten dieses verkehrs
betrugen dagegen rund s 12,277.000.-, sodass sich ein rechnungsmässiger
abgang von rund 8,8 mill. s ergibt. ein derartiges
defizit weiterhin zu verursachen, wäre aus volkswirtschaftlichen
gründen nicht zu verantworten, umsomehr als die mittel
für die ddsg aus einnahmen der öffentlichen hand zur verfügung
gestellt werden.
die schwierige finanzielle lage der österreichischen
personenschiffahrt auf der donau resultiert vor allem daraus,
dass der verkehr saisongemäss auf 4 monate beschränkt ist,
gewisse regien, wie die instandhaltung der schiffe etc.
aber während des ganzen jahres gedeckt werden müssen.
auch in diesen vier monaten ist die frequenz stark witterungsbedingt.
an sonn- und feiertagen sind die schiffe stark überlastet,
während an wochentagen und bei schlechtwetter kaum
passagiere befördert werden. durch grosszügige werbeaktionen,
vor allem im ausland, könnte dieser umstand allerdings weitgehend
beseitigt werden. ausserdem dient die donauschiffahrt
im gegensatz zur zeit ihrer gründung im jahre 1838 heute
nicht mehr dem reiseverkehr (wofür raschere beförderungsmittel
bevorzugt werden) sondern ausschliesslich zu erholungs-
und ausflugsfahrten.
die einstellung des personenschiffahrtsverkehrs würde
besonders die an der donau gelegenen fremdenverkehrsorte schwer
schädigen. dies müsste insbesondere im gegenwärtigen
zeitpunkt vermieden werden, denn durch den abschluss des
staatsvertrages hätten gerade diese orte, die bisher vielfach
vom ausländerfremdenverkehr abgeschnitten waren, nunmehr
aussicht auf einen wesentlich besseren besuch von ausländischen
gästen.
abschliessend gab der verkehrspolitische ausschuss der
bundeskammer der erwartung ausdruck, dass mit der einrichtung
eines österreichischen flugverkehrs solange zugewartet
werde, bis alle voraussetzungen hiefür geprüft und die
wirtschaftlichste form der finanzierung sichergestellt ist.
eine überstürzte gründung einer österreichischen fluggesellschaft
wäre nicht nur vom standpunkt der gesamten volkswirtschaft
gefährlich, sondern könnte unter umständen
auch den steuerzahlern neue lasten aufbürden, was aber nach
ansicht des verkehrspolitischen ausschusses der bundeskammer
unbedingt vermieden werden müsste..(schluss)1655+bi

 

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