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16.05.1955 / Meldungs-Nr.: AHI0007 / Ressort: Aussenpolitik (AA) Seite $page.NUMBER / $page.COUNT      

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a 7 london, 16.5.-(reuter) die ''times'' schreibt heute, dass österreich gleich jugoslawien auf den augenblick warte, =

 
a 7
london, 16.5.-(reuter) die ''times'' schreibt heute,
dass österreich gleich jugoslawien auf den augenblick warte,
da die sowjetunion weitere handelsmöglichkeiten in mitteleuropa
eröffne. ehe die letzten spuren der besatzung in österreich
verschwänden, schreibt das blatt, müsse der staatsvertrag
von allen signatarmächten ratifiziert und eine formel gefunden
sein, die dem wunsch der sowjetunion nach garantien dafür,
dass österreich neutral bleiben werde, nachkomme. es dürfe
nicht schwer fallen, eine solche formel zu finden.
vielleicht könnte es für grob gehalten werden zu fragen,
warum die milde vernünftigkeit der letzten 14 tage nicht schon
vor jahren an den tag gelegt worden sei. dagegen scheine
es nur billig, österreichs gegenwärtiges glück mit der ganz
anders gearteten lage seines nachbarn italiens zu vergleichen.
wenn italien gezwungen gewesen wäre, nach beendigung des
krieges zehn jahre lang zu warten, statt deren kaum zwei,
würde es jetzt nicht an einem vertrag zu schleppen haben,
der die stärke seiner bewaffneten streitkräfte streng begrenze
und der es (wie dies der österreichische staatsvertrag
noch bis vor wenigen tagen getan hat) mit einem teil der moralischen
verantwortung für den krieg belaste.
der abschnitt des staatsvertrages, um den am meisten gefeilscht
worden sei - nämlich jener, der die ansprüche
der sowjetunion auf das frühere deutsche eigentum in österreich
betrifft - habe unter bedingungen eine regelung gefunden,
die zwar noch immer schwer, aber doch besser seien,
als es die meisten österreicher erwartet hätten.
österreich wird die kontrolle über seine ölfelder -
jetzt eine seiner hauptindustrien - gegen lieferung von rund
einem drittel der produktion an die sowjetunion erhalten.
das sei besser, als wenn es gezwungen gewesen wäre, wie
bisher sein eigenes öl vcn der sowjetunion zurückzukaufen.
österreich dürfe auch das frühere deutsche eigentum, das
derzeit unter sowjetischer verwaltung stehe, anstatt in bar
durch warenlieferungen während eines zeitraumes von sechs
jahren ablösen.
dieser besitz werde überschätzt und werde grosse kapitalinvestitionen
erfordern, um die frühere leistungsfähigkeit
wiederzuerlangen.
doch österreich warte, vom staatsvertrag ganz abgesehen,
auf den augenblick, wo die neue versöhnliche laune moskaus
dem handel in zentraleuropa neue möglichkeiten eröffnen
werde. diese beiden länder hatten mitansehen müssen, wie der
kalte krieg ihre traditionellen handelsbeziehungen mit dem osten
versickern habe lassen. man könne als sicher annehmen, dass
bei dem bevorstehenden sowjetischen besuch in belgrad, was
immer auch sonst dort besprochen werden möge, über eine
wiederbelebung des handels jugoslawiens mit den satellitenstaaten
werde verhandelt werden.(schluss)+Q555+sm+

 

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