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15.05.1955 / Meldungs-Nr.: AHI0114 / Ressort: Innenpolitik (II) Seite $page.NUMBER / $page.COUNT      

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i 114 achtung. sperrfrist bis 15. mai. 2000 uhr raab 1 =

 
i 114
achtung. sperrfrist bis 15. mai. 2000 uhr
raab 1
wien.15.5.(apa) in einer rundfunkansprache führte bundeskanzler
ing. raab heute abands aus:
der schönste festtag für österreich seit kriegsende
neigt sich seinem ende zu. heute vormittag haben die aussenminister
der vier grossmächte die fahrt nach dem schloss
belvedere angetreten, ihr weg war umsäumt von hunderttausenden
jubelnder menschen. sie haben an dem historischen schloss
des prinzen eugen den vertrag unterzeichnet, der österreich
die freiheit und unabhängigkeit bringt und sie haben dann
unter dem kaum zu beschreibenden beifall und jubel der menge,
die rückfahrt angetreten. wer diese begeisterung und diese
freude miterlebt hat, der musste zu der überzeugung kommen,
dass nur ein freiheitsliebendes, unabhängiges volk so jubeln
kann, wenn ihm die fesseln abgenommen werden. ich bin überzeugt,
dass auch die aussenminister beim anblick dieser begeisterten
volksmassen ehrliche freude über ihr werk empfunden
haben.
unser land war das erste, das im jahre 1938 der machtgier
eines diktators zum opfer gefallen ist. österreich
war das erste glied in einer kette, die unentrinnbar die
menschheit in ein gigantisches völkermorden hineinzog.
österreich war damals das erste opfer in der reihe der versklavten
staaten geworden, möge es ein symbol sein, dass
nunmehr österreich nach zehn jahren wieder befreit ist.
möge diese befreiung das erste glied einer anderen kette
sein, die uns hinausführt aus den wirrnissen und missverständnissen
des kalten krieges. nicht nur für uns wünschen
wir dies, sondern für die ganze menschheit und wir wollen
hoffen, dass diesem schönen tag für unser heimatland weitere
solche tage auf der ganzen weit folgen mögen, dass die nun
erwiesene verständigungsbereitschaft und die dadurch geschaffene
bessere atmosphäre geeignet sind, auch anderen völkern
glück und segen zu bringen.
es hat heute alles so einfach ausgesehen. einige füllfedern
fuhren über einige bogen papier, einige siegel wurden
aufgepresst und mit diesen wenigen unterschriften hat ein
siebenmillionen-volk seine freiheit und unabhängigkeit wieder
gefunden. wieviel arbeit und wieviel opfer steckten aber
hinter diesen unterschriften!
die mustergültige haltung des österreichischen volkes
durch zehn jahre hindurch war die voraussetzung zu diesem
erfolg. die zähe und beharrliche arbeit unserer delegation
bei der botschafterkonferenz legte den schlussstein. in wenigen
tagen musste in verantwortungsvollster arbeit ein vertrag
fertiggestellt werden, der das schicksal österreichs auf
jahrzehnte, vielleicht auf jahrhunderte entscheidet. tag und
nacht wurde gearbeitet, neue formulierungen gefunden, verworfen
und neue gesucht. die österreichischen unterhändler
und alle, die mit ihnen zusammenarbeiteten, haben tag und
nacht gearbeitet.
ich erfülle daher freudig eine pflicht, wenn ich allen
mitgliedern der österreichischen delegation, die bei der
botschafterkonferenz mit eifer und geschick unsere interessen
vertreten haben, aufrichtig dank sage. (fortsetzung)1708+bi

 

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