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15.05.1955 / Meldungs-Nr.: AHI0107 / Ressort: Innenpolitik (II) Seite $page.NUMBER / $page.COUNT      

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i 92 jonas 1 wien, 15.5.(apa) bürgermeister franz jonas sprach =

 
i 92
jonas 1
wien, 15.5.(apa) bürgermeister franz jonas sprach
heute vormittags über alle österreichischen sender und
wies auf die bedeutung des heutigen denkwürdigen tages
der zweiten republik hin. frei und unabhängig: das
war der sehnsüchtige wunsch unseres landes durch lange
zehn jahre. wie oft hatten wir das gefühl, die fronten des
kalten krieges, in die wir gegen unseren willen eingeliedert
wurden, seien so starr und unbeweglich, dass kaum noch eine
änderung zu erwarten wäre. nun ist durch eine veränderung
der weltlage doch eine wendung eingetreten. wir sind glücklich
darüber, dass es für uns eine wendung zum guten ist.
der bürgermeister warf die frage auf, ob wir hoffen dürfen,
dass der abschluss des österreichischen staatsvertrages
der beginn einer neuen, besseren entwicklung sei, die noch
weitere friedliche schritte zur folge haben wird. die menschen
aller länder haben keinen grösseren wunsch, als für sich
und für ihre kinder in ruhe arbeiten und schaffen zu
können. wenn der kalte krieg und die unglückselige zerreissung
europas schrittweise abgebaut werden könnte, dann
wäre damit der menschheit das schönste geschenk gemacht.
vielleicht können die wiener, sagte der bürgermeister,
diese gefühle besser verstehen als die bürger anderer
staedte. die/ stadt der musik war ja am
kriegsende eine stadt des hungers und der tränen, im
osten, nicht weit von der Stadt entfernt, spaltete sich
die erde europas und teilte den kontinent in zwei fremde
welten. die folgen dieser spaltung lasten mit besonderer
wucht auf unseren schultern, weil wien seine von raum und
geschichte zugewiesene europäische vermittlerrolle nicht
leisten kann. wie glückllch werden wir alle einmal sein,
wenn wir im friedlichen wettstreit dar arbeit wieder güter
und talente mit denen der anderen länder austauschen können.
es wird eine unserer schönsten aufgaben sein, uns jetzt schon
darauf vorzubereiten.
bürgermeister jonas erklärte im weiteren verlauf seiner
rundfunkrede, wir dürfen uns nie der einbildung hingegeben,
dass unser wien das herz von europa ist. denn tüchtige und
strebsame menschen gibt es nicht nur bei uns, die gibt es
überall. bei aller bescheidenheit können wir aber doch
sagen, dass diese stadt an der donau in ihrer langen geschichte
der welt manches gute und neue gegeben hat.
wir dürfen auch nicht vergessen, dass die donau der einzige
strom europas ist, der von westen nach osten fliesst.
dieser umstand war für wien nicht nur symbol, sondern er
formte auch die aufgaben und das schicksal dieser Stadt in
entscheidender weise. diese bedingungen haben sich nicht
geändert, sie wirken weiter und fordern von uns, bereit
zu sein für neue, völkerverbindende aufgaben.
(fortsetzung) 1542 mzi+

 

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