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07.09.1955 / Meldungs-Nr.: AHI0102 / Ressort: Innenpolitik (II) Seite $page.NUMBER / $page.COUNT      

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i 85 nationalrat 10 (apa) abg. stüber (parteilos) meinte, zwischen den auffassungen =

 
i 85
nationalrat 10 (apa)
abg. stüber (parteilos) meinte, zwischen den auffassungen
der sprecher beider regierungsparteien, die heute
zu wort kamen, herrsche eine merkwürdige diskrepanz. während
nämlich der eine, abg. gorbach, betont habe, es gebe kein demokratisches
militär, habe der andere, abg. probst, betont, die
sozialisten würden nur einem demokratischen militär zustimmen.
beide parteien stimmen aber für das gleiche wehrgesetz.
dieses muüsse also in seiner auslegbarkeit so dehnbar sein, dass
es schon aus diesem grunde nicht gut genannt werden könne.
der redner erklärte sodann, wenn die jugend heute alles
soldatische ablehne, so täte sie nur das nach, was man ihr seit
1945 immer wieder vorgepredigt habe. insbesondere die
sozialisten seien dabei vorangegangen. gegen das militär und
die offiziere gift und galle zu verspritzen. noch im jahre
1948 sei in der "arbeiter-zeitung" zu lesen gewesen, dass
jeder krieg ungerecht sei. heute nun wolle die spö mit der
zustimmung zum wehrgesetz unsere jugend also zu einem sittenwidrigen
verhalten verführen und es sollen wieder offiziere
ausgebildet werden. die in dem damaligen artikel ganz allgemein
nur die "hunde" genannt wurden. die jugend habe sich aber all
dies sehr wohl gemerkt.
abg. dr. stüber betonte, er werde der aufstellung eines
bundesheeres solange seine zustimmung nicht geben, als
österreich durch den staatsvertrag volle militärische
souveraenität vorenthalten bleibe. das österreichische
parlament sollte klar und eindeutig zum ausdruck bringen
dass ein bundesheer nur dann aufgestellt werde, wenn die
einschränkenden klauseln des staatsvertrages fallen. man würde
dann sehr rasch erleben, dass österreich seine volle
wehrhoheit erhält. gerade die geographische lage österreichs
würde es ja notwendig machen, dass österreich sein heer mit
modernen waffen ausrüstet.
auf einen zwischenruf des abgeordneten altenburger
erwiderte abg. dr. stüber: "nach meinung der öffentlichkeit
sind sie ein eingebildeter schuster", weshalb er kurz darauf
vom präsidenten böhm in seiner rede unterbrochen wurde und den
ordnungsruf erhielt.
dr. stüber lehnte die allgemeine wehrpflicht ab, da der
ausgang eines künftigen krieges nicht vom einsatz von massenarmeen
abhängig sein werde, sondern von der verwendung einzelner
kleiner spezialtruppen. die festsetzung der ausbildungszeit
auf neun monate nicht aus sachlichen erwägungen erfolgt.
sondern stelle nichts anderes als das arithmetische mittel zwischen
den von der övp geforderten zwölf monaten und den von der
spö verlangten sechs monatenausbildungszeit dar.
seiner meinung nach würde die staatsbürgerliche
erziehung viel besser erreicht werden, wenn man an stelle
des bundesheeres einen allgemeinen bundesarbeitsdienst einführen
würde. die für das bundesheer vorgesehenen mittel - man
höre von rund einer milliarde schilling für das erste jahr -
könnten seiner ansicht nach zur verteidigung des abendlandes
gegen die kommunistische ideologie und infiltration mit
geistigen waffen verwendet werden.
als nächster sprach abgeordneter dipl. ing. hartmann
(övp). (fortsetzung) 1547 mzi+

 

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