Dossiers aus  Innenpolitik  Aussenpolitik  Wirtschaft  Sport  Chronik&Kultur  Kurioses  Alle Dossiers Suche
24.02.1955 / Meldungs-Nr.: AHI0116 / Ressort: Innenpolitik (II) Seite $page.NUMBER / $page.COUNT      

 Druckversion    Original-Meldung

i 85 achtung, sperrfrist bis 24. februar, 19.00 uhr. figl 4 (apa) =

 
i 85
achtung, sperrfrist bis 24. februar, 19.00 uhr.
figl 4 (apa)
der minister verwies dann auf die berliner konferenz, die
einen anerkannten beweis der friedensgesinnung des österreichischen
volkes ergeben habe. ziemlich genau vor einem jahr, sagte er,
konnte ich als delegationsführer dort im namen der österreichischen
bundesregierung und des österreichischen volkes
die feierliche erklärung abgeben, dass österreich nicht
daran denke, sich jetzt oder in zukunft einem militärbündnis
anzuschliessen. selbst der sowjetische aussenminister anerkannte
damals, dass diese erklärung einen sehr positiven beitrag
zur lösung der österreichischen frage darstelle und dass
es wünschenswert wäre, wenn andere staaten auch in diesem
geiste handeln wollten. diese erklärung hat heute noch genau
so ihre gültigkeit wie vor einem jahre. sie wurde von verantwortlichen
österreichischen politikern wiederholt und es ist
daher mehr als verwunderlich, wenn eine gewisse propaganda von
angeblicher remilitarisierung usw. spricht.
in den letzten wochen wurde von kommunistischer seite
der plumpe versuch unternommen, österreich zu beschuldigen,
dass es vorbereitungen treffe, um österreichische einheiten
für die nato-armee aufzustellen. diese beschuldigung
ist so albern, dass sie wohl kaum eines wortes der erwiderung
wert ist. ich glaube nicht, dass aussemninister molotow in
seiner letzten grossen rede den abzug aller fremden truppen
aus österreich gefordert hätte, wenn er überzeugt wäre,
dass österreich tatsächlieh vorbereitungen zu einer eingliederung
in die nato-armee trifft.
die österreichische bundesregierung und die österreichische
öffentlichkeit haben sich vollkommen mit dem gedanken abgefunden,
einmal jene armee aufzustellen, die der staatsvertragsentwurf
vorsieht. dieses heer von 58.0OO manns, mit der im staatsvertragsentwurf
vorgesehen, mehr als bescheidenen ausrüstung-
bekanntlich sind alle schweren waffen und alles, was als angriffswaffe
bezeichnet werden kann, verboten - ist zur durchführung
irgendwelcher angriffsabsichten vollkommen ungeeignet. mit einiger
aussicht auf erfolg könnten wir da höchstens einen angriff
auf liechtenstein planen.
man wurde dem frieden mehr dienen und der lösung der
europäisehen probleme näherkommen, wenn man auf die gänzlich
unfundierte propaganda verzichten würde, die man in den letzten
monaten auf uns losgelassen hat. die österreichische frage
kann nur durch ruhige, leidenschaftslose überlegung gelös
werden. und es ist weder überheblich noch unrealistisch,
wenn ich die feststellung treffe, dass die weitere zukunft
europas davon abängt, wie das österreichische problem gelöst
wird. ein freier und souverän er staat an der donau,
im herzen mitteleuropas, der nach den christlichen grundsätzen
einer freien demokratie regiert wird, ist zweifelsohne die
notwendige voraussetzung für die erhaltung des friedens in
diesem erdteil. würde österreichs einigkeit und freiheit verlorengehen,
dann würden wieder düstere tage über die
menschheit hereinbrechen.
die österreichische wirtschaft hat im vergangenen jahr
eine noch nicht erreichte hochkonjunktur erlebt und alle
anzeichen sprechen dafür, dass nach der gewissen stagnation,
vor allem auf dem bausektor, die durch den winter bedingt ist,
auch das heurige jahr einen weiteren aufschwung mit sich bringen
wird. wir haben alles getan, um unsere staatswesen und unsere
werwaltung in ordnung zu bringen. der soziale friede ist gewährleistet.
kurz, es sind alle voraussetzungen geschaffen,
um uns frei und unabhängig als würdiges mitglied in den
reihen der vereinten nationen zu sehen.
es liegt jetzt an den grossmächten, uns unsere freiheit
und unabhängigkeit wieder zu geben. wenn uns diese
unabhängigkeit durch zusätzliche bestimmungen gesichert werden
soll, sind wir durchaus einverstanden. denn wir wollen frei
und unabhängig bleiben, zu allen staaten in freundschaftlichen
beziehungen stehen, aber uns mit keinem einzelnen
bezw. mit keinem bund und keiner organisation in besonderer
weise verbinden. wir verlangen aber die einlösung des uns
in der moskauer deklaration gegebenen versprechens. wenn
eine der grossmächte glaubt, einen weg zu finden, der zu einer
lösung führen kann, dann steht es ihr jederzeit frei,
einen derartigen konkreten vorschlag zu erstatten. wir lehnen
es bloss ab, die österreichische frage mit irgendwelchen
anderen problemen zu verknüpfen.
wir lehnen es aber auch ab, dass die verhandlungen um österreich
bloss zu einer zweckpropaganda missbraucht werden. wir
sind immer bereit, mitzuverhandeln und mitzuhelfen, dort,
wo die ernsthafte absicht besteht, das unserem volk vor so
vielen jahren gegebene versprechen einzulösen.(schluss
der rede des ministers, rahmenbericht folgt.
achtung, sperrfrist vorstehender meidung (19.00 uhr) beachten.
+ 1557 sk+

 

Dieser Volltext stellt technisch bedingt nicht den Anspruch auf ein exaktes Abbild der Originalmeldung. Der Grund für die mitunter geringe Qualität ist das Alter des Papiers sowie die damals verwendete Kopiertechnik.

Zur Anzeige der Original-Meldung im PDF-Format benötigen sie Adobe Acrobat Reader.

24.02.1955 / Meldungs-Nr.: AHI0116 / Ressort: Innenpolitik (II) Seite $page.NUMBER / $page.COUNT      
© APA - Austria Presse Agentur / Laimgrubengasse 10, 1060 Wien
25.11.1981: Kardinal Ratzinger wird Präfekt der Gaubenskongregation » 26.11.1985: Gesamter VOEST-Vorstand zurückgetreten » 27.11.1971: Eröffnung der Fußgängerzone in der Wiener Innenstadt »