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04.01.1957 / Meldungs-Nr.: AHI0145 / Ressort: Innenpolitik (II)

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i 145 =vorrang= körner 14 (apa) =

 
i 145
=vorrang=
körner 14 (apa)
über den lebenslauf des verewigten bundespräsidenten
stellt uns die präsidentschaftskanzlei folgende ausführungen
zur verfügung :
theodor körner wurde am 24. april 1873 in komorn an der
donau geboren, als sohn des dort in garnison liegenden k.u. k.
artilleriemajors theodor karl von körner und dessen gattin
karoline (fousek), die, wie ihr gatte, aus der gegend von reichenberg in böhmen stammte.
als sich der vater, durch krankheit dienstunfähig
geworden, auf einen kleinen beamtenposten im wiener
finanzministerium zurückziehen musste, wurde der zehnjährige
theodor ebenso
wie später sein jüngerer bruder für die militärlaufbahn
bestimmt und kam in die militärrealschule von mährisch-weisskirchen.
er besuchte dann mit ausgezeichnetem erfolg die
technische militärakademie in wien und wurde 1894 als
pionierleutnant ausgemustert. seine erste garnison war klosterneuburg
bei wien.
nach absolvierung der kriegsschule dem gensralstab zugeteilt,
bekleidete theodor körner schon mit 26 jahren den rang
eines generalstabshauptmanns und erhielt als solcher für seine
verdienste um die reorganisierung des telegraphen- und telephondienstes
der armee sowie um die neuaufstellung des telegraphenregiments
den orden der eisernen krone, die höchste im frieden
für einen offizier erreichbare auszeichnung. zum obserstleutnant
im generalstab avanciert, wirkte er als lehrer an der kriegsschule.
im weltkrieg 1914 bis 1918 wurde theodor körner zunächst
nach bosnien kommandiert und bekleidete dann an der italienischen
front immer verantwortungsvollere stellungen. als korps-, später
als armeegeneralstabschef hatte er massgebenden anteil an den
erfolgen der elf isonzoschlachten.
nach dem umsturz in jahre 1918 wurde der inzwischen zum
oberst und später zum general avancierte verdienstvolle offizier
als amtsleiter in das ministerium für heerwesen berufen, wo
es seine aufgabe war, die neue wehrmacht der republik österreich
aufzustellen. besondere verdienste erwarb er sich bei der
landnahme des österreich im friedensvertrag von st. germain
zuerkannten burgenlandes.
mit den problemen seiner zeit und insbesonders mit den gedankengängen
der arbeiterklasse wohl vertraut, trat theodor
körner nach seiner im jahre 1924 erfolgten pensionierung der
sozialdemokratischen partei bei. sie entsandte ihn als ihren
besten sachverständigen in militärfragen in die parlamentskommission
für das heerwesen, die zur kontrolle des ministeriums
eingesetzt war. im jahre 1925 wurde er von der stadt wien in
den bundesrat delegiert. er war später der letzte vorsitzende
dieser parlamentarischen körperschsft bis zu ihrer auflösung
im februar 1934.
wie alle anderen führenden sozialdemokratischen funktionäre
1934 verhaftet, verbrachte körner elf monate in der untersuchungshaft
des wiener landesgerichtes. das gegen ihn eingeleitete
verfahren wurde schliesslich eingestellt.
in dem jahrzehnt zwischen 1935 und 1945 lebte körner in wien
als privatmann, eifrig mit militärwissenschaftlichen studien
und mit dem erlernen von sprachen, darunter des russischen,
beschäftigt. als nach der annexion österreichs bei kriegsausbruch
im jahre 1939 seine reaktivierung als general in der
armee hitlers in betracht gezogen wurde, hob er, um diesem
unerwünschten dienst zu entgehen, bei der ausfüllung der
ihm vorgelegten fragebogen alles hervor, was ihn als für eine
solche stellung ungeeignet erscheinen liess.
als die rote armee mitte april 1945 bereits teile der stadt
wien erobert hatte, traten im wiener rathaus die in der stadt
anwesenden ehemaligen mitglieder des sozialdemokratischen
parteivorstandes zu besprechungen zusammen, deren ziel die wiederaufrichung
der partei und die einrichtung einer neuen
demokratischen verwaltung war. im einvernehmen mit den vertretern
der beiden anderen in bildung begriffenen parteien schlugen
die sozialistischen funktionäre general körner zum
provisorischen bürgermeister der stadt wien vor. am 17. april
1945, zwei wochen vor der bildung der provisorischen regierung
karl renners, bestätigte der damalige russische stadtkommandant
die einsetzung der provisorischen gemeindeverwaltung
mit bürgermeister körner an der spitze.
die umfassenden sprachkenntnisse, die es dem neuernannten
bürgermeister ermöglichten, mit den vertretern aller besatzungsmächte
in ihrer sprache zu verhandeln, kamen ihm in
seiner amtsführung ausserordentlich zustatten. es gelang ihm,
zusammen mit seinen engeren mitarbeitern im wiener stadtsenat,
innerhalb weniger wochen den nach dem zusammenbruch vollkommen
zerrütteten verwaltungsapparat der stadt wien neu zu
organisieren, die versorgungs- und verkehrsbetriebe der
stadt wieder funktionsfähig zu machen und die behebung der
umfangreichen kriegsschäden in die wege zu leiten.
in würdigung dieser verdienste um den aufbau der
stadt wien verlieh der akademische senat der technischen hochschule
wien theodor körner am 27. Oktober 1945 den akademischen
grad eines doktors der technischen wissenschaften honoris
causa. bei den ersten allgemeinen demokratischen wahlen am
25. november 1945 wurde körner in den nationalrat und in den
wiener gemeinderat und bei der konstituierung des gemeinderates
einstimmig zum bürgermeister von wien gewählt. aus anlass
der vollendung seines 75. lebensjahres würdigte der wiener
gemeinderat seine verdienste über gemeinsamen antrag aller
politischen parteien durch verleihung des ehrenbürgerrechtes
der bundeshauptstadt.
als im jahre 1951 das österreichische volk zum erstenmal
zur direkten wahl des staatsoberhauptes aufgerufen wurde,
nominierte die sozialistische partei theodor körner zu ihrem
kandidaten. er wurde am 27. mai 1951 im zweiten wahlgang zum
bundespräsidenten gewaehlt. seither übte er dieses amt getreu
im sinne der erklärung aus, die er beim bekanntwerden des
ergebnisses der präsidentenwahl abgab und die folgendermassen
lautete:
"ich will für frieden und freiheit wirken, für
ein glückliches österreich im geiste sozialer gerechtigkeit.
das vertrauen, das mir das österreichische volk durch die wahl
zum bundespräsidenten ausgedrückt hat, wird mir bei der
ausübung meines hohen amtes stets heiligste verpflichtung sein."
(fortsetzung)+ 1941 sk +

 

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