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Die Wiener UNO-City


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Die Baustelle der UNO-City im Frühjahr 1975.
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UNO-Beamte begutachten das Bauvorhaben.
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Die von Johann Staber zwischen 1973 und 79 erbaute UNO-City sowie das Vien ...
© APA-IMAGES/IMAGNO/Gerhard Trumler
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Die UNO-City von oben betrachtet.
© APA-IMAGES/APA/Harald Schneider
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"Die Errichtung der UNO-City ist eine politische Entscheidung, weil Wien als UNO-Zentrum größte Wichtigkeit für die Neutralität und Sicherheit Österreichs hat", erklärte Bundeskanzler Bruno Kreisky kurz vor Baubeginn der UNO-City im Jahr 1973. Das Vienna International Center (VIC) und das in der Nachbarschaft angesiedelte Kongresszentrum sind heute Stätte des Friedens und internationaler Begegnungen sowie Wahrzeichen Wiens. Der Weg bis zur Vollendung der UNO-City war jedoch durch innenpolitische Auseinandersetzungen geprägt.

VIENNA INTERNATIONAL CENTRE (VIC) (1967-1979)

1957 wurden die Internationale Atomenergiebehörde (IAEO) und 1967 die Organisation für Industrielle Entwicklung (UNIDO) in Wien ansässig. Die ÖVP-Bundesregierung bot daraufhin der UNO 1967 die kostenlose Errichtung eines ständigen Amtssitzes an, dem ein österreichisches Konferenzzentrum für größere internationale Konferenzen angeschlossen werden sollte. Die Stadt Wien hatte zuvor im 22. Wiener Gemeindebezirk einen geeigneten Bauplatz zur Verfügung gestellt und sich bereit erklärt, 35 Prozent der Baukosten zu übernehmen. Der Bund wollte für die restlichen 65 Prozent aufkommen .

Das Bundesministerium für Bauten und Technik schrieb unter der ÖVP-Alleinregierung in Zusammenarbeit mit der Stadt Wien einen internationalen und öffentlichen Ideenwettbewerb für Architekten zur Gestaltung des Amtssitzes internationaler Organisationen und des internationalen Kongresszentrums im Wiener Donaupark aus. Der Wettbewerb fand in der Zeit vom 1. November 1968 bis 31. Mai 1969 statt. 280 Architekten aus aller Welt reichten ihre Projekt ein. Der erste Preis ging an den Amerikaner Cesar Pelli, der zweite an das britische "building design partnership", der dritte an die deutschen Architekten Novotny und Mähner und der vierte an den Österreicher Johann Staber. Die siebenköpfige international besetzte Jury beauftragte die vier Preisgewinner, Verbesserungen insbesondere baubehördlicher Natur an den Projekten durchzuführen.

Am 18. Dezember 1970 wurde in einer zweiten Phase des Wettbewerbs schließlich von einem österreichischen interministeriellen Komitee das Projekt des Wiener Architekten Johann Staber gewählt.

Bundeskanzler Bruno Kreisky erklärte, der nach dem Sieg der SPÖ bei den Nationalratswahlen im Frühjahr 1970 die Regierungsgeschäfte übernommen hatte, erklärte, Stabers Projekt sei im Hinblick auf die künftige Funktion der UNO-City und die Wünsche der internationalen Organisationen als bestgeeignet betrachtet worden.

Die ÖVP warf der SPÖ daraufhin vor, die Wettbewerbsregeln verletzt zu haben und bezichtigte die SPÖ des "Lokalpatriotismus". Kreisky wies diese Vorwürfe zurück. Er selbst habe bei den Beratungen darauf hingewiesen, dass gerade beim österreichischen Projekt besonders kritisch vorgegangen werden müsse. In einer parlamentarischen dringlichen Anfrage bezeichneten ÖVP-Abgeordnete es als aufklärungsbedürftig, dass Weichensteller bei der Entscheidung über die Vergabe des Architektenauftrages wie Dr. Ing. Paul Walter aus Essen nun die Hauptnutznießer des lukrativen Auftrages, das Projekt zu planen und auszuführen, seien. Kreisky konterte, Walter habe Stabers Projekt nicht den Vorzug gegeben. Die Vorwürfe der Schiebung durch die SPÖ in einer ÖVP-Broschüre konnten jedenfalls nicht bewiesen werden. Es kam auch zu keiner Einigung über Schlussfolgerungen aus dem UNO-City-Bericht eines parlamentarischen Unterausschusses, der im April 1971 einberufen worden war.

Ein weiterer Kritikpunkt der oppositionellen Volkspartei waren die gestiegenen Baukosten und die Vergrößerung des Umfangs des Projekts. Die ÖVP bekenne sich zur UNO-City, jedoch nicht zu "Verschwendung" und "Gigantomanie". Der Rechnungshof kritisierte im Oktober 1974, dass der Kostenfrage als einer der bedeutendsten Entscheidungshilfen bei der Projektauswahl nicht die erforderliche Bedeutung beigemessen worden sei. Aber auch die unter der ÖVP- Alleinregierung 1967 gegenüber der UNO eingegangene unbegrenzte Pflicht zum UNO-City-Bau wurde kritisiert.

Baubeginn für die UNO-City war im Mai 1973. Nachdem 1975 ersichtlich wurde, dass die Räumlichkeiten durch Beamte der UNIDO und IAEO geringer als prognostiziert ausgelastet sein würden, bemühte sich die Regierung um die Verlegung weiterer UNO- Abteilungen nach Wien, was ihr auch trotz des Widerstandes aus Genf gelang. 1976 beschloss die UNO die Verlegung von weiteren UNO-Organisationen von New York und Genf nach Wien. Kreisky sprach in diesem Zusammenhang von der "Krönung der Österreichischen Neutralitätspolitik".

Die feierliche Übergabe des internationalen Teils der UNO-City, des Vienna International Centre (VIC), an die Vereinten Nationen am 23. August 1979 wurde zu einem weltweit beachteten Ereignis, dem 1.200 geladene Gäste beiwohnten. UNO-Generalsekretär Kurt Waldheim übergab dabei einen Schilling an Finanzminister Hannes Androsch. Die UNO-City wurde für 99 Jahre für einen symbolischen Pachtzins von einem Schilling oder heute 7 Cent pro Jahr an die UNO vermietet. Die Betriebskosten sollten die Organisationen selbst tragen. 4.500 Beamte der Vereinten Nationen zogen hier ein, womit Wien zur dritten UNO-Stadt neben New York und Genf wurde. Mittlerweile ist Nairobi zum vierten UNO-Amtssitz ernannt worden.

Heute sind im VIC neben der IAEO und der UNIDO folgende Organisationen untergebracht: Das Büro der Vereinten Nationen in Wien (UNOV), das Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) sowie die Vorbereitende Kommission für die Organisation des Vertrages über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen (CTBTO). Das Hauptquartier des Hilfswerks der UNO für Palästinaflüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) wurde 1995 von Wien nach Gaza verlegt.

DAS KONFERENZZENTRUM (AUSTRIA CENTER VIENNA) (1979-1987)

Während 1973 die ÖVP "die kleine Lösung" für das geplante Konferenzzentrum forderte, favorisierte die SPÖ von Beginn an ein großes Konferenzzentrum. Durch den Bau eines modernen Konferenzzentrums werde Wien zu einer "Stadt des Friedens und der Verständigung", erklärte Kreisky im September 1973. Im März 1979 wurde im Ministerrat der Bau des Konferenzzentrums für 6.000 Personen neben dem Vienna International Centre nach den Plänen von Staber beschlossen.

Die ÖVP lehnte ein Konferenzzentrum, aufgrund der "tristen finanziellen Lage des Bundes" und des "fehlenden Bedarfs" in der Zwischenzeit ab. Als Alternative schlug sie den Ausbau der Hofburg und des Messepalastes vor. Die SPÖ beharrte jedoch auf den Bau des Konferenzzentrums. Daraufhin initiierte die ÖVP vom 12. bis 17. Mai 1982 ein Volkbegehren unter dem Motto "für 12.000 Wohnungen, für sichere Arbeitsplätze in ganz Österreich und gegen den unnötigen Konferenzplatz", das von mehr als 1,360.000 Österreichern unterzeichnet wurde. Die SPÖ beschloss dennoch mit dem Bau fortzufahren, was die Opposition als Missachtung des Volkswillens bezeichnete.

Die SPÖ argumentierte, das Konferenzzentrum sei zur Friedenssicherung, Arbeitsplatzbeschaffung sowie aufgrund internationaler Verpflichtungen unabdingbar. Die ÖVP-Regierung habe 1967 der UNIDO und IAEO zugesagt, ein leistungsfähiges Konferenzzentrum zu errichten. Die ÖVP hingegen wollte keine rechtlichen Verpflichtungen erkennen. Umstritten war zudem, ob durch den Bau des Zentrums Arbeitsplätze gefördert werden. Die ÖVP vertrat die Ansicht, die wahren Profiteure seien aufgrund der hohen Finanzierungskosten die Banken. Die SPÖ hingegen sprach von der Schaffung von mehr als 5.000 Arbeitsplätzen und von Umwehrentabilität aufgrund des lukrativen Kongresstourismus. Das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) vertrat die Ansicht, der Bau des Konferenzzentrums sei nur regional beschäftigungswirksam und auch keine längerfristige Maßnahme gegen Arbeitslosigkeit.

Am 22. April 1987 wurde das Konferenzzentrum feierlich eröffnet. VP-Vizekanzler Alois Mock blieb aus Protest den Feierlichkeiten fern. Die Baukosten beliefen sich auf 3,5 Mrd. ÖS und waren somit geringer als zunächst errechnet. Das Haus bietet Platz für rund 9.500 Personen und verfügt über eine Ausstellungsfläche von 19.000 m2.

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