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Der sowjetisch-amerikanische Wettlauf ins All von 1957-69


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Die russische Hündin Laika wird für ihren Start ins All mit dem Satelliten ...
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Juri Gagarin, um 1960.
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Der sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin im Raumanzug, um 1960.
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Die US-Astronauten (v.l.n.r.) Neil A. Armstrong, Michael Collins und Edwin ...
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Am 16. Juli 1969 startet die Rakete vom Kennedy Space Center in Florida.
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Ein Foto vom 20. Juli 1969 zeigt den US-Astronauten Edwin E. Aldrin Jr. be ...
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Der Astronaut Edwin E. Aldrin am 21. Juli 1969 neben der gehissten US-Flag ...
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Die originalgetreue Nachbildung des NASA-Mondautos der letzten drei Apollo ...
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Menschen auf der ganzen Welt verfolgten die Mondlandung über ihre TV-Gerät ...
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"Auf der Startrampe 39a in Kap Kennedy steht die 110 Meter hohe Saturnrakete - weiß schimmernd und der Wirklichkeit entrückt. Sie bietet das einzig ruhige Bild in einem kochenden Hexenkessel, der normalerweise Cocoa Beach heißt und den Ingenieuren des amerikanischen Mondflughafens als Schlafstadt dient.

Die US-Bundesstraße 1 a, die sich an der Küste Floridas entlang schlängelt, sieht aus wie der New Yorker Times Square am Silvesterabend: Stoßstange an Stoßstange kriechen die Autos mit Nummernschildern aus Alabama, Minnesota, aus Alaska und Montana über den klebrigen Asphalt. Eineinhalb Millionen Zaungäste werden zum Start erwartet."

Am 16. Juli 1969 berichtete ein Korrespondent der deutschen Nachrichtenagentur dpa von den Vorbereitungen für den Start einer amerikanischen Rakete. An Bord von Apollo 11 waren Neil Armstrong, Edwin Aldrin und Michael Collins. Ihr Ziel war der Mond.

DIE MONDLANDUNG

"Ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Sprung für die Menschheit!" Als Neil Armstrong vier Tage später - und 400.000 km von Cocoa Beach entfernt - jene denkwürdigen Worte aussprach, sah ihm die ganze Welt über die Schulter: Millionen Zuseher starrten an diesem 20. Juli 1969 gebannt auf ihre Fernsehapparate und wurden Zeugen der ersten menschlichen Berührung mit dem leblosen Erdtrabanten.

WELTWEITES ECHO

Die Reaktionen auf Armstrongs und Aldrins unbeholfene Hopser auf dem Mond waren gewaltig: In den Hauptstädten gingen die Menschen auf die Straße und feierten sich selbst. Die ideologischen Differenzen zwischen Ost und West schienen vergessen: "Vielleicht werden die Menschen durch den Weltraum zueinander finden", schrieb das Parteiorgan der slowakischen Kommunisten, "Prawda". Das russische Fernsehen berichtete annähernd in Echtzeit von der Mondlandung des politischen Gegners, die russische Nachrichtenagentur Tass widmete sich über mehrere Tage ausführlich dem Projekt - nur in China herrschte Funkstille. Dort wurde Armstrongs und Aldrins Pionierleistung totgeschwiegen. Die Größe des Ereignisses überflügelte auch eigene Erfolge anderer: Die Mission der unbemannten Sowjet-Raumsonde Lunar 15 - die fast zeitgleich mit der US-Besatzung gestartet war - fand in den russischen Medien zumindest an diesem Tag kaum Erwähnung. Erklären lässt sich das gesteigerte Medieninteresse auch mit der absoluten Ungewissheit, was die Astronauten am Mond erwarten würde und ob ein Wiedereintritt in die Erdatmosphäre physisch überhaupt zu verkraften war.

Der erfolgreiche Abschluss der US-Raumfahrtmission war allerdings nicht nur von Lob gekrönt. Kritik hagelte es vor allem in den USA selbst. So sprach der Nachfolger des schwarzen Freiheitsführers Martin Luther King, Ralph Abernathy, dem amerikanischen Raumfahrtprogramm "Verachtung und Beifall" aus. Beifall für die Erzwingung des Unmöglichen, Verachtung für jene "bizarre" soziale Wertskala, nach der der Flug zum Mond Vorrang habe vor so vielen anderen Notwendigkeiten, wie etwa der Bekämpfung der Armut.

WETTLAUF INS ALL

Abernathy?s Kritik war nicht unberechtigt: Vorausgegangen war der Landung eine jahrelange Materialschlacht um die Vorherrschaft am Mond. Der Wettstreit der Großmächte USA und UdSSR um die Eroberung des Weltalls fand seinen ersten Höhepunkt im Jahr 1957: am 4. Oktober startete die Sowjetunion mit Sputnik 1 den ersten künstlichen Satelliten. Knapp ein Monat später, am 3. November, wurde mit Sputnik 2 das erste Lebewesen ins All befördert, die Hündin "Laika".

Die USA konnten ihren ersten Satelliten (Explorer 1) erst am 31. Jänner 1958, vier Monate nach der UdSSR, ins All bringen. Bei ihren ersten Raumflügen mit Lebewesen an Bord griffen die Amerikaner vorwiegend auf Schimpansen zurück. Der wohl bekannteste unter ihnen war "Enos", der am 29. November 1961 zu seinem Weltraumflug startete und wohlbehalten zurückkehrte.

Nicht nur den Konkurrenzkampf um den ersten Satelliten haben die USA verloren, auch der erste Mensch im All war ein Russe, der Kosmonaut Jurij Gargarin. Am 12. April 1961 absolvierte er mit seiner Raumkapsel Wostok 1 seinen Raumflug und umrundete dabei in 108 Minuten einmal die Erde. Der erste amerikanische Staatsbürger im All folgte am 5. Mai 1961. Alan B. Shepard startete mit dem Raumfahrzeug Freedom 7 zu einem 15-minütigen Suborbital-Flug. Erst am 20. Februar 1962 startete der Astronaut John Glenn zur ersten bemannten Erdumkreisung.

Das Rennen ins All verschlang Unsummen: Allein in das Saturn-Programm ab 1964 - bis zum Mondflug der Apollo 11 mit einer Saturn-5-Rakete - investierte die USA 24 Milliarden Dollar (heute etwa 50 Mrd. Euro).

ERSTE MONDUMKREISUNG DURCH USA

Das "Sputnik-Trauma" - der nationale Komplex, seit dem Abschuss der russischen Sputnik-1-Sonde ewig Zweiter zu sein - fand erst im Dezember 1968 ein Ende, als die Astronauten Frank Bormann, James Lovell und William Anders erfolgreich von der ersten Mondumkreisung zurückkehrten. Gewinnen konnte die NASA das Rennen um den Mond letztlich nur durch die technische Unterstützung des eingebürgerten deutschen Raketenforschers Wernher von Braun - der noch im Zweiten Weltkrieg einer der führenden Köpfe im deutschen V-Raketenprogramm gewesen war.

Das Wettrüsten um die Vorherrschaft im Weltraum forderte auch Opfer: Bei einem Test an der Startrampe kam am 21. Jänner 1967 die Besatzung der Apollo 6 ums Leben.

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