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Terroranschlag am Flughafen Schwechat 1985


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Blick in die Halle am Schwechater Flughafen nach dem Attentat, rechts im B ...
© APA-Images/APA/Robert Jäger
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Eine Szene nach dem Attentat am Schwechater Flughafen - insgesamt kamen vi ...
© APA-Images/APA/Robert Jäger
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Undatiertes Archivbild des palästinensischen Terroristen Sabri al-Bann ali ...
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Österreich war in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts Schauplatz mehrerer Terror-Anschläge, die mit der Extremistengruppe "Fatah Revolutionärer Rat" des palästinensischen Terroristen Abu Nidal in Verbindung gebracht wurden. Am 1. Mai 1981 wurde der Wiener SPÖ- Stadtrat Heinz Nittel, Präsident der "Österreichisch- Israelitischen Gesellschaft", von Mitgliedern der Nidal-Gruppe erschossen. Am 29. August 1982 stürmten zwei Araber bei der Sabbat-Feier die Synagoge in der Wiener Seitenstettengasse und töteten zwei Menschen. Bei der Flucht wurden zudem zwei Passanten getötet. Wenige Tage nach dem Anschlag konnte die Polizei drei Attentäter verhaften. Nach den Gerichtsurteilen versuchte die Gruppe um Abu Nidal die drei Gefangenen gegen einen "Nicht-Angriffspakt" mit Österreich freizupressen. Nachdem dies seitens Österreichs abgelehnt wurde, folgte am 27. Dezember 1985 das Attentat auf den Wiener Flughafen Schwechat.

DER ANSCHLAG

Kurz nach neun Uhr früh warfen drei schwer bewaffnete Terroristen eine Handgranate in die wartende Menge beim Check-In für einen Flug israelischen Airline "El Al" nach Tel Aviv. Die Polizei eröffnete das Feuer auf die Terroristen. Insgesamt fielen fast 200 Schüsse: Zwei Passagiere, ein Wiener und ein Israeli, wurden dabei getötet und über 40 Personen verletzt. Fünf Minuten zuvor hatten Araber auf dem römischen Flughafen Fiume ebenfalls einen Anschlag verübt, bei dem fünfzehn Menschen starben und etwa 70 verletzt wurden.

Die Terroristen flüchteten mit einem vor dem Flughafengebäude geraubten PKW, dessen Besitzer sie bedrohten. In der Nähe von Fischamend wurden die Attentäter von der Polizei gestellt. Bei einem Feuergefecht starb ein Terrorist, die beiden anderen wurden schwer verletzt und später zu lebenslanger Haft verurteilt. Einer der Attentäter von Schwechat war im November 1996 an der Geiselnahme in der Justizanstalt Graz-Karlau beteiligt. Er erhielt für dieses Verbrechen eine Zusatzstrafe von 19 Jahren.

Bei den Tätern handelte es sich um palästinensische Flüchtlinge aus den Lagern Sabra und Schatila, die im Libanon für den Einsatz ausgebildet worden waren und sich in einer Einsatzbesprechung in der Schweiz versammelt hatten, bevor sie die zeitgleichen Anschläge in Wien und Rom durchführten. Sie gehörten zur Extremistengruppe "Fatah Revolutionärer Rat" von Abu Nidal. Vermutlich hatten die Terroristen geplant, die El-Al-Passagiere als Geiseln zu nehmen und die Maschine über Israel zu sprengen.

REAKTIONEN

Abu lyad, prominentes ZK-Mitglied der PLO-Gruppierung Fatah, verurteilte umgehend die Anschläge und machte die von der Palästinensichen Befreiungsbewegung (PLO) Jasser Arafats abgespaltene Dissidentenbewegungen für die Anschläge verantwortlich. Die PLO-Vertretung und das Büro der Arabischen Liga in Wien verurteilten ebenfalls die Terrorakte. Die PLO in Wien veröffentlichte folgende Erklärung: "Die PLO drückt ihre Empörung aus und verurteilt entschieden das Verbrechen an unschuldigen Menschen, das heute in Wien-Schwechat begangen wurde. Die PLO hält an ihrer Politik und ihren Prinzipien fest, die solche Gewaltakte ablehnen und verurteilen. Wir betrachten solche verbrecherischen Aktionen auch als gegen die PLO gerichtet, da der Versuch unternommen wird, das Ansehen der PLO zu diskreditieren und zu diffamieren."

Die PLO-Vertretung in Wien vermutete Syrien und Libyen hinter den Anschlägen. Der libysche Revolutionsführer Muammar Al Gaddafi wurde auch durch die Aussage eines überlebenden Terroristen von Rom belastet. Libyen bestritt eine Involvierung in die Anschläge, die libysche Nachrichtenagentur bezeichnete allerdings die Flughafenanschläge als "Heldentaten".

Der israelische Verteidigungsminister Jitzhak Rabin kündigte Vergeltungsmaßnahmen an. Mit "Bestürzung und Abscheu" reagierte die jüdische Gemeinde Wiens auf diesen Terroranschlag. "Offensichtlich sei der seit Jahren beschrittene Weg, auch den extremistischsten Gruppierungen im arabischen Lager politisch entgegenzukommen, gescheitert", hieß es in einer Stellungnahme der Kultusgemeinde.

Bundespräsident Rudolf Kirchschläger und der italienische Staatspräsident Francesco Cossiga betonten ihre Entschlossenheit, den Terrorismus mit allen Mitteln zu bekämpfen, sich jedoch durch derartige terroristische Gewaltakte nicht von der bisherigen Friedenspolitik abbringen zu lassen. Außenminister Leopold Gratz (SPÖ) unterstrich, dass die Bundesregierung nicht bereit sei, in diesem Fall irgendein politisches Motiv anzuerkennen. "Für uns ist dies ein Verbrechen, wo man keine politische Motivation gelten lässt." ÖVP-Abgeordnete übten anlässlich der Anschläge Kritik an der palästinenserfreundlichen Nahostpolitik unter Ex-Bundeskanzler Bruno Kreisky (SPÖ).

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