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Die österreichischen Bundespräsidenten (1955-1985)

Von Theodor Körner bis Rudolf Kirchschläger


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Bundespräsident Theodor Körner untersucht ein Loch im Kleid einer Dame.
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Bundespräsident Theodor Körner hält anlässlich eines Gewerkschaftskongress ...
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Bundespräsident Theodor Körner hält eine Eröffnungsrede.
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Bundespräsident Adolf Schärf hält anlässlich einer Preisverleihung eine Re ...
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Adolf Schärf eröffnet das neue Berggasthaus der Naturfreunde am Moserboden ...
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Adolf Schärf bei einer Eröffnungsrede.
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Franz Jonas bei einer Ansprache im Parlament am 27. Oktober 1966.
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Am 9. Juni 1971 wurde Franz Jonas als neuer Bundespräsident angelobt.
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Bundespräsident Franz Jonas mit seiner Gattin vor der Abreise zu einem off ...
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Bundespräsident Rudolf Kirchschläger eröffnet das Dritte Badener Symposium ...
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Bundespräsident Rudolf Kirchschläger mit dem stellvertretenden chinesichen ...
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Der Erste Sekretär des Zentralkomitees der ungarischen sozialistischen Par ...
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Die Demissionierung und Angelobung der alten bzw. neuen Bundesregierung am ...
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THEODOR KÖRNER (1951-1957)

Der Sozialdemokrat Theodor Körner war der erste vom Volk gewählte österreichische Bundespräsident. Nachdem er im ersten Wahlgang am 6. Mai 1951 noch knapp hinter dem ÖVP-Kandidaten Heinrich Gleißner gelegen war, konnte er sich in der zweiten Runde drei Wochen später gegen seinen Kontrahenten überraschend durchsetzen. Die Volkswahl des Bundespräsidenten war zwar bereits seit 1929 in der Verfassung vorgesehen, bis 1951 aber nicht zur Anwendung gekommen.

Theodor Körner wurde am 24. April 1873 in Komorn (Ungarn) geboren, wo sein Vater als Artillerieoffizier stationiert war. Im Ersten Weltkrieg war er Generalstabschef der 1. Isonzo-Armee. Nach dem Ende des Krieges wurde er Leiter der Präsidialabteilung des Staatsamtes für Heereswesen und beteiligte sich am Aufbau des Bundesheeres.

Nach seiner Pensionierung als General im Jahr 1924 begann Körners politisches Engagement als sozialdemokratischer Vertreter der Stadt Wien im Bundesrat und militärischer Berater des Republikanischen Schutzbundes.

1934 wurde Körner - so wie viele andere Sozialdemokraten - vom Ständestaats-Regime festgenommen und blieb elf Monate in Haft. 1944 folgte eine neuerliche vorübergehende Verhaftung durch die Gestapo.

1945 wurde er Bürgermeister von Wien, wobei ihm seine Sprachkenntnisse und seine Eigenschaft als Offizier bei Verhandlungen mit den Besatzungsmächten sehr zugute kamen. Er bekleidete dieses Amt bis zu seiner Wahl zum Bundespräsidenten am 27. Mai 1951.

Als Staatsoberhaupt förderte er die Zusammenarbeit zwischen den Großparteien und verhinderte 1953 den von Teilen der ÖVP gewünschten Eintritt des VdU (Verband der Unabhängigen - Vorgängerpartei der FPÖ) in eine Konzentrationsregierung.

Theodor Körner starb wenige Monate vor Ende seiner Amtszeit am 4. Jänner 1957 an den Folgen eines Schlaganfalls.

ADOLF SCHÄRF (1957-1963 und 1963-1965)

Adolf Schärf wurde am 20. April 1890 in Tschechien geboren. Die Familie übersiedelte 1899 nach Wien, der Geburtsstadt des Vaters. Schärfs politische Laufbahn begann bereits als Gymnasiast. Er beteiligte sich 1908 an der Gründung einer Sozialistischen Mittelschülervereinigung und kam bereits damals in Kontakt mit Viktor Adler, Otto Bauer, Karl Renner und anderen Spitzenfunktionären der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei.

In der ersten Republik (1918 - 1934) wurde Schärf als gelernter Jurist Sekretär der sozialdemokratischen Nationalratspräsidenten und von 1933 bis 1934 Mitglied des Bundesrates. 1934, 1938 sowie 1944 war er in politischer Haft.

1945 war er an der Gründung der SPÖ maßgeblich beteiligt und wurde deren erster Vorsitzender nach dem Zweiten Weltkrieg. Von 1945 bis 1957 war Adolf Schärf außerdem Vizekanzler, 1955 nahm er an den Verhandlungen in Moskau für den Österreichischen Staatsvertrag teil.

Bei der Präsidentenwahl am 5. Mai 1957 setzte er sich gleich im ersten Wahldurchgang gegen Wolfgang Denk, der von ÖVP und FPÖ unterstützt wurde, durch.

Einer der Höhepunkte in der achtjährigen Amtszeit Schärfs war die Rolle des Gastgebers beim Gipfeltreffen zwischen US-Präsident John F. Kennedy und dem sowjetischen Staatschef Nikita Chruschtschow.

Adolf Schärf starb am 18. Februar 1965 an den Folgen einer schweren Grippe.

FRANZ JONAS (1965-1971 und 1971-1974)

Franz Jonas wurde am 4. Oktober 1899 in Wien geboren und war ein Kind armer Hilfsarbeiter aus Floridsdorf, die noch weitere acht Kinder zu versorgen hatten. Neben der Schule musste Franz Jonas daher in einer Greißlerei mithelfen. Er hatte Glück, durfte eine Lehre als Schriftsetzer antreten, arbeitete sich bis zum Korrektor hinauf und wurde nach einer Karriere als Gewerkschaftsfunktionär 1932 zum Sekretär der Sozialdemokratischen Partei bestellt. 1935/36 wurde er als führender Sozialdemokrat vom Ständestaats-Regime in Haft genommen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg beteiligte er sich am Wiederaufbau der Stadt Wien und übernahm Parteifunktionen in der SPÖ. 1951 wurde Jonas als Nachfolger des zum Bundespräsidenten gewählten Theodor Körner zum Bürgermeister der Bundeshauptstadt gewählt. 1965 nominierte der Parteirat der SPÖ Jonas zum Nachfolger für das Amt des verstorbenen Bundespräsidenten Adolf Schärf.

Jonas agierte als Bundespräsident zurückhaltend, betonte aber die Notwendigkeit eines verantwortungsbewussten Interessensausgleiches zwischen den demokratischen Parteien. Er starb am 24. April 1974 in seiner zweiten Amtsperiode an einer Krebserkrankung.

RUDOLF KIRCHSCHLÄGER (1974-1980 und 1980-1986)

Rudolf Kirchschläger wurde am 20. März 1915 in Niederkappel (Oberösterreich) geboren und wuchs unter schwierigen Bedingungen auf: Mit drei Jahren war er Halbwaise, mit elf Jahren bereits Vollwaise. Er absolvierte das Aufbaugymnasium in Horn und studierte Jus in Wien. Von 1947 bis 1954 war er in Langenlois und Wien als Richter tätig, ab 1954 als Rechtsexperte in der Völkerrechtsabteilung des Außenministeriums. Er nahm als Mitglied der österreichischen Delegation an den Abschlussverhandlungen für den Staatsvertrag vom Mai 1955 teil. 1963 wurde er Kabinettschef des Außenministers.

1974 wurde Kirchschläger von der SPÖ als parteiloser Kandidat für die Bundespräsidentenwahlen nominiert, ein Umstand, den der damalige Außenminister - nach 1945 war er kurzzeitig ÖVP-Mitglied - "als Ausdruck einer Toleranz und Achtung vor der Individualität" seitens der SPÖ bezeichnete.

Am 8. Juli 1974 wurde er als Bundespräsident angelobt und blieb bis zum heutigen Tag der einzige Bundespräsident Österreichs, der zwei Amtsperioden überlebte. Beim zweiten Antreten Kirchschlägers im Jahr 1980 verzichtete die ÖVP auf einen eigenen Kandidaten. Kirchschläger erreichte gegen den von der FPÖ unterstützten Diplomaten Wilfried Gredler sowie den Gründer der rechtsextremen Nationaldemokratischen Partei (NDP), Norbert Burger wiedergewählt.

Kirchschläger war ein Staatsoberhaupt mit hoher moralischer Autorität. Sein Aufruf zum "Trockenlegen der Sümpfe und sauren Wiesen" wird immer wieder zitiert. Rudolf Kirchschläger starb am 30. März 2000, zehn Taqe nach seinem 85. Geburtstag.

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